Graubünden, aufwachen!
Nichts geht mehr, und was heute Vormittag bis zwölf Uhr noch möglich ist im Kanton, geht dann auch zu Ende, sicher bis Ende April. In Europa herrscht das Coronavirus, die Pandemie lässt fast nichts mehr von dem zu, was das Leben bei uns bis vor Kurzem ausgemacht hat. Das öffentliche Leben steht still, nichts geht mehr, die offene Gesellschaft ist zu einer geschlossenen Gesellschaft geworden, es herrscht Notrecht, wie hierzulande seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.
Gegen das Coronavirus ist nach wie vor kein Kraut gewachsen, auch wenn mit Hochdruck geforscht wird. Waschen Sie – Sie und ich, wir alle! – die Hände, meiden wir Ansammlungen und Körperkontakt, bleiben Sie zu Hause bei Fieber und Husten, schützen wir die Risikogruppen und helfen wir, wo es geht! Viel mehr kann die Bevölkerung nicht tun, aber diese wenigen Massnahmen tragen dazu bei, dass uns die Pandemie verzögert ergreift und das Gesundheitssystem dadurch nicht kollabiert. Hoffentlich.
Vorbei ist die Zeit jener, die glauben, es sei doch gar nicht so schlimm. Die noch immer davon schwätzen, dass die Massnahmen von Bund und Kanton mehr schaden würden als nützen, die noch immer den Ernst der Lage nicht begriffen haben und das vermeintliche Interesse der Wirtschaft höher gewichten als jenes der Gesundheit. Es geht jetzt nicht mehr darum, dass man das Wirtschaftswachstum nicht gefährden dürfe, sondern es geht um sehr viele Menschenleben, die dem Virus zum Opfer fallen, auch in Graubünden.
Auch die Bündner Regierung hat den Ernst der Lage jetzt erkannt, nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten. Das ist erfreulich – aber diese Feststellung kann leider nicht übertünchen, dass der Kanton und seine sehr zahlreichen politischen Institutionen und Ebenen insgesamt auf die Krise zu wenig vorbereitet sind. Das ist weniger erfreulich.
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