Granit Xhaka bewegt sich zwischen Kritik und Kultstatus
Seit 15 Jahren prägt er das Nationalteam wie kein anderer Spieler: Im WM-Sechzehntelfinal dürfte Granit Xhaka der erste Schweizer Fussballer mit 150 Länderspielen werden.
150 ist ein besonderer Meilenstein. Die Zahl 5 ist im Fall von Granit Xhaka aber fast noch eindrücklicher. In nur fünf seiner 149 Länderspiele stand er nicht in der Startaufstellung. Und in diesen fünf Partien bestritt er viermal die komplette zweite Halbzeit. Nur einmal musste er sich bis zur 65. Minute gedulden, ehe er eingewechselt wurde: im Juni 2017 in einem Testspiel gegen Belarus.
Diese Zahlen zeigen, welchen Einfluss Xhaka im Schweizer Nationalteam von Beginn an hatte. Statt sich wie die meisten Neulinge langsam in die Mannschaft zu integrieren und sich seinen Platz zu verdienen, gehörte der Basler von Anfang an zu den Leistungsträgern. Sein Debüt gab er im EM-Qualifikationsspiel gegen England – im Wembley. Xhaka war 18 Jahre, 8 Monate und 8 Tage alt und spielte beim 2:2 durch.
Schon fünf Jahre später trug er erstmals die Captainbinde. Mit dem Estadi Nacional in Andorra war die Bühne zwar etwas kleiner, umso grösser waren die Worte des damaligen Arsenal-Legionärs. Trotz des mühsam erkämpften 2:1-Erfolgs im WM-Qualifikationsspiel gegen den Zwergstaat prophezeite er: «In einem Jahr sind wir für Russland qualifiziert.»
Foletti: «Seine Art ist verdammt notwendig»
So war Xhaka, so ist Xhaka. «Mit seinem unglaublichen Siegeswillen ist er ein absoluter Mehrwert für die Mannschaft», sagt Patrick Foletti. Als Goalietrainer ist er Xhaka vielleicht nicht so nah wie andere, dafür hat er, der fast gleich lange im Team ist wie Xhaka, den kompletten Werdegang des Mittelfeldspielers beobachten können. Über die Jahre habe er immer wieder spannende Gespräche mit Xhaka geführt, sagt Foletti. Und für ihn ist klar: «Seine Art ist manchmal unangenehm, manchmal nervig und für den einen oder anderen vielleicht nicht einfach, weil sie nicht ‹schweizerisch› ist. Aber sie ist verdammt notwendig.»
Seine Worte sind vor dem aktuellen Hintergrund zu betrachten. Dass Xhaka nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Katar wie bereits nach dem Testspiel davor das Team und vor allem die Einstellung einzelner Spieler kritisierte, sorgte für Aufsehen und offenbar auch für Unmut. So wurde in einem Artikel unter Berufung auf «mehrere Quellen» behauptet, einige Spieler im Nationalteam empfänden Xhaka als «zu negativ» oder gar «toxisch». Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass der Captain beim missglückten Turnierauftakt selbst überhaupt keinen guten Tag erwischt hatte.