Krönung einer langen Schützenkarriere
Es war ein frühes Aufstehen für die Fahrt nach Thun an jenem Montag. Bereits um 8 Uhr hatte Stiffler mit seinem Sturmgewehr 90 zum Wettkampf anzutreten. Aus einer liegenden Position heraus war auf 300 Meter Distanz eine Scheibe von einem Meter Durchmesser zu treffen. Richtig Punkte gibt es aber erst, wenn der innerste Kreis von 10 Zentimetern getroffen wird. «Am Tag zuvor war ich in Möhlin, wo ich so schlecht schoss, wie seit 25 Jahren nicht mehr», erzählt der 65-Jährige rückblickend. Doch am Montag passte es und mit 570 Punkten und 14 Mouchen (so nennt man es, wenn sogar der innerste Kreis von 5 Zentimetern getroffen wird) wurde er Zweiter und damit Vize-Schweizer Meister. «Da war ich richtig stolz und freute mich sehr. Mein Ziel war es gewesen unter die ersten Acht zu kommen.»
Rangierungen unter den Besten sind für Stiffler nichts Neues. Immerhin stammt er aus einer schiessbegeisterten Familie. «Als Kind schoss ich schon mit dem Luft- und dem Kleinkalibergewehr auf 10 und 50 Meter», erzählt er. «Beide meine Eltern waren begeisterte Schützen und wir fuhren regelmässig zu Schiesswettbewerben.» Im Keller des Elternhauses habe es einen Schiessstand für Luftgewehr gegeben, für das Kleinkaliberschiessen auf 50 Meter seien sie jeweils nach Thusis gefahren. An den Bezirksschiessen seien die Stiffler-Geschwister gelegentlich auch an Gruppenwettkämpfen angetreten. Mit 17 Jahren erhielt Stiffler von einem älteren Bruder sein erstes Gewehr und war fortan ein stolzer Jungschütze.
Nicht mit meinem Gewehr
Sein Gewehr war ihm auch im Militärdienst der liebste Begleiter. «Unterwegs lag es jeweils vor mir im Schlafsack.» Das Abschiessen von Panzerabwehrgranaten mit diesem Gewehr war ihm jedoch ein Gräuel. «Es war in solchen Momenten oft gerade nicht auffindbar», berichtet der Schützenveteran mit einem Augenzwinkern. Nicht die Granate selbst hielt ihn ab – für seine Kameraden übernahm er diese Aufgabe ohne Murren. Ihn störte viel mehr, was der gewaltige Rückstoss mit seinem Gewehr anrichtete. «Schliesslich will ich als Sportschütze ein Ziel von 10 Zentimetern treffen», sagt er. Sein Sturmgewehr 90 bestellte er übrigens bei dessen Vorstellung 1985 und erhielt es auch geliefert. Allerdings sollte es noch drei Jahre dauern, bis auch die Munition dazu erhältlich war.