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Schweiz und Welt

Gewusel rund ums Kongresszentrum

Davoser Zeitung
21.05.2022, 17:00 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Kommentar
Eine Frage sei erlaubt ...
Man, oder in diesem Fall eher frau, mag gut finden, was sich gerade in Davos abspielt. Frau mag überzeugt sein, dass das World Economic Forum (WEF) und seine Mission etwas Sinnvolles und Wichtiges sind. Frau mag den Immobilienbesitzern sowie Laden- und Restaurantbetreibern die paar Franken, die sie mit der Umnutzung ihrer Flächen generieren, von Herzen gönnen. Frau mag sich auch über die viele Arbeit freuen, die gegenwärtig in Davos vergeben und ausgeführt wird. Schliesslich profitiert so mancher einheimische Handwerksbetrieb nicht wenig davon. Frau mag auch das Können und die Effizienz bewundern, mit der gegenwärtig die ganze Promenade umgestaltet wird. Ja, frau mag auch Verständnis dafür aufbringen, dass Firmen, Regionen oder ganze Länder glauben, sich hier ins beste Licht rücken zu müssen – obwohl, bei gewissen Namenszügen mag frau schon versucht sein, sich zu wundern, ob hier Entwicklungshilfegelder auf Umwegen den Weg nach Davos finden. Doch frau stellt sich Fragen, ob der hier betriebenen Materialschlacht. Ist es nötig, ganze Fassaden hinter neuen verschwinden zu lassen? Müssen Schriftzüge, Fenster und Türen wirklich abgeklebt und umgestaltet werden? Braucht es die durchaus ansprechend und kunstvoll gestalteten, zusätzlichen Gebäude tatsächlich? Das Ganze für läppische drei Tage? Denn am offiziell letzten Tag des Jahrestreffens sind erfahrungsgemäss die meisten Teilnehmenden schon wieder abgereist und die ersten Rückbauarbeiten beginnen. Erlaubterweise oder nicht. Doch wohin mit dem ganzen Material? Wie viel davon wird wieder- oder weiterverwendet? Wieviel landet im Abfall? Fragen, die in einer Welt, in der Nachhaltigkeit das Gebot der Stunde ist, nicht nur gestellt werden dürfen, sondern müssen. Und die nächste Frage kommt gleich anschliessend: Wer sorgt dafür, dass es auch die kapieren, die es nicht kapieren?

Barbara Gassler, Redaktorin DZ

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