Geschichte am Wendepunkt
Von Davos aus gesehen, ist es ein WEF wie viele andere zuvor. Der Hintergrund ist dieses Mal grün statt weiss, zusätzliche Pandemie-Vorkehrungen gelten, doch ansonsten ist es «business as usual». Etwas anders sieht es das Forum selber. In einer an die Medien versandten Mitteilung spricht es von einer Rückkehr nach Davos vor dem Hintergrund noch nie dagewesener geoökonomischer Herausforderungen. Mitten in einer globalen Pandemie und angesichts des Krieges in der Ukraine erfordere «der beispiellose globale Kontext Zielstrebigkeit und Entschlossenheit, und das Ziel des Treffens ist es, sich diesen Herausforderungen zu stellen.»
Sechs Schwerpunkte
Konkret will das Forum dieses Jahr den Schwerpunkt auf sechs Bereiche legen: Da ist einmal die Förderung der globalen und regionalen Zusammenarbeit. Ein weiterer Schwerpunkt gilt der Sicherung der wirtschaftlichen Erholung und der Gestaltung einer neuen Ära des Wachstums. Ein wichtiger Punkt ist auch der Aufbau gesunder und gerechter Gesellschaften. Um dies zu erreichen sei es notwendig in gute Arbeitsplätze, existenzsichernde Löhne, Qualifikationen und Bildung investieren. Als grösste Bedrohung der Menschheit bezeichet das Forum den Klimawandel. Daher sind der Schutz von Klima, Ernährung und Natur ebenfalls wichtige Themen. Wie der industrielle Wandel voranzutreiben sei, ist eine weitere Fragestellung, bei der man auf die Kraft der Vierten Industriellen Revolution setzt.
Starke europäische Vertretung
Zur Diskussion dieser Fragen werden rund 300 Regierungsvertreter erwartet, darunter mehr als 50 Staats- und Regierungschefs. Beispielhaft genannt seien hier EU-Kommisionspräsidentin Ursula von der Leyen, die Präsidentin des EU-Parlaments, Roberta Metsola, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, der Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Erwartet werden auch der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte und der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer ebenso wie der Liechtensteinische Erbprinz Alois von Liechtenstein und sein Premier Daniel Risch. Am Donnerstag wird der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz einen seiner ersten internationalen Auftritte haben. Mit einer grossen Delegation tritt auch die Ukraine auf. Nicht weniger als elf Minister und Parlaments-abgeordnete werden in die Schweiz reisen. Der bekanntesten Namen darunter ist wohl jener des Bürgermeisters von Kiew, Vitaliy Klitschko. Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyy wiederum wird am Montag von 11.15 bis 11.45 Uhr virtuell zugeschaltet. Dies im Anschluss an die Begrüssung der WEF-Gemeinde durch Bundespräsident Ignazio Cassis und den WEF-Gründer und Vorstandsvorsitzenden Klaus Schwab. Wie diese werden übrigens viele der Ansprachen und Sessionen live übertragen und können über die Webseite des Forums (www.weforum.org) verfolgt werden. Von Schweizer Seite wird der gesamte Bundesrat, mit Ausnahme von Karin Keller-Sutter, in Davos präsent sein. Die Bünder Regierung tritt gar geschlossen auf, während von Davoser Seite lediglich Landammann Philipp Wilhelm und Statthalter Stefan Walser auf der Gästeliste stehen.
Von Führungskräften bis Pionieren
Aus dem privaten Sektor werden über 1250 Führungskräfte teilnehmen, zusammen mit fast 100 Global Innovators und Technology Pioneers, den vielversprechendsten Neuankömmlingen aus den Bereichen Technologie und Wirtschaft. Die Zivilgesellschaft wird durch mehr als 200 führende Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, Sozialunternehmern, Hochschulen, Gewerkschaften, Glaubensgemeinschaften und religiösen Gruppen sowie durch über 400 Medienvertreter und Berichterstatter vertreten. Die Jahrestagung wird auch jüngere Generationen zusammenbringen, da 100 Mitglieder der Global Shaper- und Young Global Leader-Gemeinschaften des Forums teilnehmen werden.
«Die Jahrestagung ist das erste Gipfeltreffen, das die führenden Politiker der Welt in dieser neuen Situation zusammenbringt, die durch die Entstehung einer multipolaren Welt infolge von Pandemie und Krieg gekennzeichnet ist. Die Tatsache, dass fast 2500 Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Medien persönlich zusam-menkommen, zeigt den Bedarf an einer vertrauenswürdigen, informellen und handlungsorientierten globalen Plattform, um die Probleme in einer krisengetriebenen Welt anzugehen», beurteilt Klaus Schwab das diesjährige Treffen.