Generationenwechsel bringt frischen Wind in die Streitkräfte der Ukraine

Die ukrainische Militärführung ist im Wandel. Die Streitkräfte haben seit dem grossangelegten Einmarsch Russlands im Jahr 2022 ihren dritten Oberbefehlshaber erhalten. Er ist der sechste seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine und den Westen im Jahr 2014.
Die Ernennung von Mychajlo Drapatyj zum obersten Militärbefehlshaber spiegelt den Wandel wider, den das ukrainische Militär derzeit durchläuft. Die neue Generation hochrangiger Offiziere ist seit 2014 herangewachsen.
Viele junge Leutnants, die 2014 ihre Ausbildung an Militärhochschulen abgeschlossen haben, sind heute Oberst. Mehrere Brigaden – militärische Verbände mit 5000 Mann – werden von Offizieren unter 30 Jahren befehligt. Drapatyj selbst ist gerade einmal 43 Jahre alt.
Das ukrainische Militär wird nun von einem Offizier geführt, der über Kampferfahrung verfügt. Sowohl Saluschnyj als auch Syrskyj gelangten in diesem zwölfjährigen Krieg in höhere militärische Führungsgremien, ohne persönliche Erfahrung auf dem Schlachtfeld gesammelt zu haben.
Während Syrskyj eher auf Kühnheit und Disziplin setzte, ist Drapatyjs Stil eher analytisch.
Drapatyjs militärischer Werdegang begann im Mai 2014 mit einer beeindruckenden Fahrt und einem Sprung über eine Barrikade im umkämpften Mariupol. Es gab keinen Grund, warum ein Bataillonskommandeur im Rang eines Majors in Mariupol im ersten von sieben Schützenpanzern sitzen sollte. Aber Drapatyj sass da drin.
Drapatyj erwies sich als effizienter Kommandant im Krisenmanagement. Er war es, der im Sommer 2014 ukrainische Einheiten aus dem Kessel nahe der russischen Grenze führte. Drapatyj wurde im Frühjahr 2022 zur Lösung von Krisen in der Region Cherson, im Mai 2024 nördlich von Charkiw und im Sommer 2025 in der Nähe von Toretsk entsandt. Ein starker Kampfgeist für einen Sohn von Lehrern und Ehemann einer Musikerin.
Drapatyj sprach, genau wie Saluschnyj bei seiner Ernennung, sofort über die menschliche Dimension des Militärdienstes. Gleichzeitig scheint Drapatyj ebenso proaktiv zu sein wie Syrskyj. Während Syrskyj eher auf Kühnheit und Disziplin setzte, ist Drapatyjs Stil eher analytisch. Hoffentlich wird die Nato-Tradition der Nachbesprechungen zu einem Standardverfahren im ukrainischen Militär.