Gemischte Gefühle bei Churer Restaurants
Am vergangennen Mittwoch hat der Bundesrat bekanntgegeben, dass auch Restaurationsbetriebe ihre Gaststuben am 11. Mai wieder öffnen und Gäste empfangen dürfen. Dies jedoch unter strengen Schutzmassnahmen. Der Branchenverband Gastrosuisse arbeitet an einem entsprechenden Konzept für seine Mitglieder. Mit dem Konzept ist jedoch erst im Verlauf des Dienstags zu rechnen, wie die angefragten Gastronomiebetriebe in Chur gegenüber «suedostschweiz.ch» sagen.
Während Lockdown pendente Arbeiten erledigt
Die Lockdown-Zeit haben einige der Restaurants genutzt, um Arbeiten zu erledigen, die im Normalbetrieb nicht einfach so umzusetzen sind. So hat das Restaurant «Calanda» seine Böden geölt, Sitzbänke repariert und auch die Bar abgeschliffen und neu geölt, wie Carmen Cappellini-Brunner auf Anfrage erklärt. Für Adrian K. Müller, Eigentümer des Hotels «Stern», brachte die unerwartete Zwangspause die Möglichkeit, Betriebsabläufe zu überdenken. «Wir konnten die Gästefreie Zeit so auch produktiv nutzen. Man entdeckt Chancen und Möglichkeiten und kann diese nun ausprobieren.»
Umsetzung der BAG-Massnahmen
Die Betriebe arbeiten im Moment mit Hochdruck an ihren eigenen Schutzkonzepten: «Wir warten aber auch noch auf genauere Informationen von Gastrosuisse», erklärt Stefan Mark vom Restaurant «Drei Bünde» und ergänzt, «natürlich werden wir die Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit einhalten.» Dafür werden beispielsweise auch Raumtrenner aufgebaut werden. Auch im «Da Noi» werden die Schutzmassnahmen umgesetzt, wie Toni C. Foppa erklärt: «Wir werden unsere Bar nicht in Betrieb nehmen, die zwei Meter Abstand einhalten und Desinfektionsmittel sowie Masken bereithalten.» Ähnlich sieht es in den anderen angefragten Betrieben aus.
Grosse Vorfreude…
Die Vorfreude unter den Gastronominnen und Gastronomen ist gross. Antonietta Buoncore vom Restaurant «Da Mamma» freut sich sehr auf den kommenden Montag. Sie hatte während des Lockdowns zusammen mit dem «Flavour's» und «Pur-Suisse» ein Zutaten-Take-Away-Angebot aufgebaut, bei dem Food-Boxen geliefert werden, deren Inhalte dann zuhause von den Kunden fertig zubereitet werden können. Im «Da Mamma» freut sich die Besitzerin darauf, am Montag wieder zu eröffnen, ist sich aber auch sicher, dass die Normalität nicht allzu schnell wieder Einzug halten wird. Auch im Hotel «Stern» ist man froh, ab dem 11. Mai wieder Gas geben zu dürfen, wie Müller erklärt. «Geplant hatten wir zuvor auf den 8. Juni hin, was noch vor zwei Wochen das realistische Eröffnungsdatum zu sein schien.» Im Moment stecke man mitten in den Vorbereitungen auf die Wiedereröffnung kommender Woche. Auch im «Calanda», im «Da Noi», im «Metzgertor» und im «Drei Bünde» freuen sich die Besitzer grundsätzlich auf nächste Woche. Ein paar Herausforderungen gibt es aber dennoch.
…aber auch Skepsis
Die Vorgaben und die kurze Vorlaufzeit bereiten den Gastronomiebetrieben aber auch Kopfzerbrechen. Katharina Jenny vom Restaurant «Zum Metzgertor» weiss im Moment nicht, ob sie kommende Woche eröffnen können: «Wir arbeiten mit Hochdruck daran und probieren alles. Es wird aber nicht einfach.» Der Aufwand sei gross. Insbesondere die Rückvervolgbarkeit der Gäste – also das Wissen, wer wann in einem Restaurant gegessen hat – bringt zusätzlichen personellen und administrativen Aufwand mit sich. «Die Gäste müssen sich ja dann auch bei uns melden, wenn sie sich mit dem Coronavirus angesteckt haben und wir wiederum müssen alle Gäste informieren, die zur gleichen Zeit bei uns waren», ergänzt Jenny.
Auch Foppa hat gemischte Gefühle im Bezug auf die Lockerungen. Einerseits freut er sich, seinen Betrieb wieder öffnen zu können, andererseits machen ihm einige Punkte noch etwas Sorgen: «Restaurant ist nicht gleich Restaurant. Komplexere Abläufe in der Küche oder Menu-Zusammenstellungen lassen es für uns nicht zu, mit reduziertem Personalbestand zu starten.» Zudem sei das Durchschnittsalter der Stammkundschaft im «Da Noi» wohl höher als in einigen anderen Restaurants: «Viele unserer Stammkunden sind im Moment noch unsicher, ob sie jetzt schon auswärts essen gehen wollen und sagen uns, dass sie sich auf einen Besuch Mitte Juni freuen.» Er rechnet entsprechend auch nicht damit, schon ab nächster Woche Gewinn machen zu können. «Wir starten mit dem vollen Angebot, werden aber nach ein paar Wochen sicher Zwischenbilanz ziehen und dann entscheiden müssen, ob wir den Betrieb so weiter aufrechterhalten können.»
Der Zeitplan ist eng
Seit der Bekanntgabe der Lockerungen ist rund eine Woche vergangen. Bereits in weniger als einer Woche sollen die Gastrobetriebe wieder öffnen können und mit dem Schutzkonzept von Gastrosuisse ist erst am Dienstag dieser Woche zu rechnen. Eröffnen möchten alle Betriebe gerne. Etwas mehr Zeit wäre aber wohl allen recht gewesen. Es wird sich zeigen, ob und wie erfolgreich die rasche Lockerung für die Churer Gastronomiebetriebe über die Bühne gehen wird. Zusammenfassend ist da der Appell von Calanda-Vertreterin Cappellini-Brunner wohl sehr recht am Platz: «Ich hoffe auf das beidseitige Verständnis von Gästen und Betrieben, wenn in den Churer Restaurants nächste Woche noch nicht alles auf Anhieb reibungslos und so wie vor dem Lockdown läuft.»