Gefälligkeit endet für Zürcher Gefängnismitarbeiter in Bedrohung
Vor dem Bezirksgericht Dielsdorf ZH hat ein ehemaliger Gefängnismitarbeiter zugegeben, dass er Drogen ins Gefängnis Pöschwies schmuggelte. Aus einer Gefälligkeit sei eine Bedrohung geworden, sagte er.
Nach 30 Jahren Dienst in der JVA Pöschwies habe der beschuldigte ehemalige Mitarbeiter des Gefängnisses zugestimmt, einem Insassen eine «kleine Gefälligkeit» zu tun, führte dessen Verteidiger am Mittwoch vor Gericht aus. Der Beschuldigte schmuggelte daraufhin Rauchwaren und Alkohol in das Gefängnis. Doch dies habe sich bei den Insassen herumgesprochen, die ebenfalls um Gefälligkeiten baten.
«Der Beschuldigte wollte daraufhin aussteigen, doch er erhielt auf einem Parkplatz Besuch von einer grossen Person, die ihm drohte ihn zusammenzuschlagen und zu töten, wenn er nicht weitermache», sagte sein Verteidiger am Prozess.
Über Selbstanzeige nachgedacht
Der Beschuldigte habe daraufhin über eine Selbstanzeige nachgedacht, aber um seine Anstellung und um seine Familie gefürchtet. In seinem Schlusswort sagte er an die Staatsanwaltschaft gewandt: «Sie können sich nicht vorstellen, wie schlimm es ist, wenn man seine eigene Familie bedroht sieht und unter welchem Druck man dadurch steht.»
Von einer Bande könne man unter diesen Bedingungen nicht sprechen, führte der Verteidiger aus. Er plädierte daher auf eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit einer Probezeit von 2 Jahren.
Der 64-Jährige war Aufseher und später Werkstattleiter im Gefängnis Pöschwies. Ihm wird bandenmässiges Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen.
Wie der Staatsanwalt in seinem Plädoyer ausführte, dokumentieren Videoaufnahmen, wie der Beschuldigte die Päckchen im Gefängnis platzierte und sie von Insassen abgeholt wurden. Zudem seien Absprachen zwischen dem Mitarbeiter und seinen drei Komplizen, zwei Insassen und der 72-jährigen Mutter eines Insassen, dokumentiert.