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Schweiz & Welt

Die Glarner Landsgemeinde soll (wieder) für Gehörlose übersetzt werden

Ueli Weber
09.10.2023, 18:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Ein offener Brief fordert eine Liveübersetzung der Glarner Landsgemeinde in Gebärdensprache. So soll die Landsgemeinde inklusiver werden. «Die Glarner Landsgemeinde findet über das gesprochene Wort statt. Hat man eine Hörbehinderung, ist man faktisch von der Teilnahme ausgeschlossen», begründen die Unterzeichner des Briefes ihr Anliegen. Dies sei eine ungerechtfertigte Diskriminierung, welche der demokratischen Grundidee der Landsgemeinde widerspreche. 

Mitunterzeichnet und verfasst haben den Brief der Glarner Hörbehinderte Iker Alan, Tanja Krebedünkel vom Gehörlosenbund und Landrat Frederick Hefti (Junge Grüne). Durch eine Übersetzung werde die Landsgemeinde inklusiver und ein systembedingter Nachteil könne ausgebügelt werden. «Einer ganzen Personengruppe kann so die Teilnahme am politischen Prozess ermöglicht werden», schreiben sie in einer Medienmitteilung. 

Appenzell hat seit 2018 Dolmetscher

Es ist bereits der dritte Anlauf, die Glarner Landsgemeinde für Gehörlose übersetzen zu lassen. Der Kanton Glarus engagierte zuletzt in den Jahren 2011 und 2012 Gebärdensprache-Dolmetscher, um auch Gehörlosen die Teilnahme an der Landsgemeinde zu ermöglichen. Das Angebot ging auf die Initiative der Glarner Kantischülerin Fabiola Marinaro zurück, welche sich in ihrer Maturaarbeit mit dem Thema befasst hatte.

Zuvor übersetzten in den 1990er-Jahren Dolmetscher die Landsgemeinde. In beiden Fällen wurde das Angebot wieder abgeschafft, nachdem es laut Staatskanzlei nur sehr wenige Gehörlose nutzten. Der Kanton Appenzell Innerrhoden übersetzt hingegen seine Landsgemeinde seit 2018 für Gehörlose.

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