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Schweiz und Welt

Ganz neue Töne an Silvester

Barbara Gassler
30.12.2020, 07:00 Uhr
gestern um 12:16 Uhr


Mit rund drei Vierteln Ja-Stimmen bezeugte die Davoser Bevölkerung im September, zukünftig auf Feuerwerk verzichten zu wollen. Vielen klangen die heftigen Lärmimissionen zu schmerzhaft in den Ohren. Erlaubt ist hingegen nach wie vor, was im Haus oder geräuscharm auf dem Vorplatz angezündet werden kann. Doch auch das Steigenlassen von sogenannten Himmelslaternen ist verboten. Hier ist das von den herabfallenden Resten ausgehende Gefahrenpotenzial der Grund. «Nun haben wir wieder die Möglichkeit zu einem ruhigeren, besinnlicheren Silvester», sagt Landrat Conrad Stiffler (SVP), der die Initiative initiierte. «Ich freue mich schon darauf, wieder die Kirchenglocken das alte Jahr aus- und das neue Jahr einläuten zu hören.


In allen Fraktionen zu hören

Dieser alte Brauch dürfte an diesem Silvester tatsächlich neu wahrgenommen werden. Vom Laret bis Wiesen werden alle Kirchenglocken erklingen, wie eine Umfrage der Davoser Zeitung ergab. In den Aussenfraktionen Monstein, Wiesen und Frauenkirch werden die Kirchenglocken jeweils eine halbe Stunde vor und nach dem Stundenschlag sowie eine weitere halbe Stunde nach Mitternacht erklingen. In Glaris erfolgt das Aus- und Einläuten während einer Stunde. Das sonst übliche Turmsingen fällt jedoch Corona zum Opfer. Kürzere Läutzeiten sind vonseiten der reformierten Kirchgemeinde Dorf/Laret vorgesehen. Während nur zehn Minuten läutet das Glöckchen der Kirche Laret vor und weitere zwanzig Minuten nach Mitternacht. St. Theodul im Dorf wird je eine Viertelstunde vor und nach dem Jahreswechsel erklingen. Während jeweils ebenfalls fünfzehn Minuten soll auch die Herz-Jesu-Kirche erklingen. 


Besonderes Silvesterläuten

Am Platz wird das Geläute von den beiden grossen Glockenstühlen von St. Johann und der Marienkirche beherrscht. Während in den anderen Kirchen einfach alle verfügbaren Glocken angestimmt werden, folgt die Bewegung in den Glockenstühlen dieser beiden Kirchen einer bestimmten Choreografie. So beginnt die Glocke Nummer 4 der Kirche St. Johann um Viertel vor zwölf mit dem Ausläuten des alten Jahres. Eine Minute vor Mitternacht ist dann Schluss, während alle auf den Stundenschlag warten, der den genauen Moment des Jahreswechsels anzeigt. Eine weitere Minute später läuten alle sechs Glocken während weiteren dreizehn Minuten und verstummen rechtzeitig zum gewohnten Viertelstundenschlag.
Ähnlich lang wird es vom Kirchturm der Marienkirche ertönen. Ebenfalls um Viertel vor zwölf beginnen alle fünf Glocken gleichzeitig zu läuten. Nach fünf Minuten läutet jede während einer Minute alleine. Jede von ihnen hat nicht nur eine andere Tonalität, sondern eine ganz besondere Bedeutung, wie Dekan Kurt Susak erklärt: «Taufglocke – Dank für die Taufe (Gotteskindschaft), Wetterglocke (Dank für die Gaben der Schöpfung), Josephsglocke (Dank für den Segen als Familie und Gemeinschaft – Erstkommunion, Firmung, Hochzeiten… im vergangenen Jahr), Marienglocke (Erinnerung an die Verstorbenen des Jahres) und Dreifaltigkeitsglocke (Sein ist die Zeit – der Dank an den Dreifaltigen Gott).» Kurz vor Mitternacht verstummen auch diese Glocken, um anschliessend während einer Viertelstunde wieder im Vollgeläut zu erklingen und damit den Segen Gottes für die Landschaft zu erbitten. 


Aufeinander abgestimmt

Dieses Silvesterläuten habe eine ganz eigene Läuteordnung, die nur einmal im Jahr so ertönte, erklärt Susak weiter. «Noch vor wenigen Jahren wurde das Silvesterläuten per Hand durchgeführt und dazu eigens Seile an den Glocken angebracht. Um die grosse Glocke zu läuten, benötigte man alleine zwei Männer.» Wer nun aufgrund der vielen Stimmen eine schmerzliche Kakofonie erwartet, sei beruhigt. Von Alters her ist es bei den Glockengiessern Brauch, Glocken innerhalb einer Gemeinde aufeinander abzustimmen. Dieser Gesamtklang stehe für das Miteinander und den Zusammenhalt, sagt Susak.

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