Fürstlicher Frust, frisches Blut und ein putziger Platzstürmer
Ein betupfter Ronaldo, politische Brisanz und ein vierbeiniger Platzstürmer: Der XL-Block der Nations League bietet mehr als sportliche Magerkost. Eine Auswahl in sechs Punkten.
Der Start in den neuen Länderspiel-Zyklus ist traditionell die Zeit der Experimente. Viele Nationaltrainer nutzten die vier Nations-League-Spiele der letzten Tage als Laboratorium für personelle Rochaden, wilde Aufstellungen und taktische Umbrüche. Dass nicht jede Mutation auf Anhieb glückt, zeigt sich auf und neben dem Platz.
Beleidigte Majestät
Für das aufsehenerregendste Drama der letzten zwei Wochen sorgte Cristiano Ronaldo. Beim Auftaktsieg der Portugiesen gegen Wales (1:0) stand der alternde Superstar noch wie gewohnt in der Startelf und führte das Team als Captain aufs Feld. Doch es war der Anfang vom Ende: Nachdem ihn Trainer Jorge Jesus in der Folge ins zweite Glied versetzte, eskalierte die Situation abseits des Platzes.
Beim 2:1-Sieg gegen Norwegen liess Jorge Jesus Ronaldo intensiv aufwärmen, er wechselte ihn aber schliesslich nicht ein. Eine Geste, die der 41-jährige Rekordtorschütze augenscheinlich als Majestätsbeleidigung auffasste. Tags darauf quittierte er sie mit dem fluchtartigen Abgang aus dem Camp der Portugiesen.
Seinem Legendenstatus versetzte das fragwürdige Vorgehen arge Kratzer, medial wird der Vorfall als endgültiger Wendepunkt interpretiert. Die sportliche Bilanz gibt dem Trainer-Team fürs Erste Recht: Ohne Ronaldo bezwangen die Portugiesen Norwegen ein zweites Mal mit dem gleichen Resultat sowie Dänemark 4:2. Auch das verleitet zur Annahme, dass die Zukunft der Nation ohne ihre einst unantastbare Galionsfigur begonnen hat.