Der Netstaler Christian Brülhart will bei der Behindertensession mitreden
Rund jede fünfte Person in der Schweiz hat eine Behinderung, wie Zahlen des Bundes zeigen. Trotzdem werden viele von ihnen immer noch ausgeschlossen. «Ich würde mir wünschen, dass Menschen mit Beeinträchtigung als ganz normale Mitglieder der Gesellschaft angeschaut werden», erzählt Christian Brülhart. Auch er wurde ausgegrenzt, in Schubladen gesteckt, unterschätzt – besonders auf dem Arbeitsmarkt.
Der Kaufmännische Angestellte erhielt erst im Alter von 27 Jahren eine Diagnose: ADS, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Eine Krankheit, die sich ganz unterschiedlich äussert. Brülhart fiel auf, weil er verträumt ist, sich in Details verliert oder zu wenig konzentriert arbeitet. Der Netstaler nennt ein Beispiel: «Zum Teil musste ich ‹einfache› Arbeiten erledigen und Briefe in Kuverts einpacken, stundenlang. Dann hängte es mir aus.» Erst nach einer Abklärung der IV erhielt er Gewissheit: «Nach der Diagnose war ich erleichtert. Ich habe ja gemerkt, dass etwas nicht ganz gleich war wie bei den anderen.» Nach mehreren Kündigungen kriegte er eine geschützte Stelle bei einer Firma in Zürich-Höngg. Dort entdeckte er seine Begabung für IT.
Automatisch in Schubladen gesteckt
Christian Brülhart bewarb sich auf dem regulären Arbeitsmarkt und erhielt eine Stelle als Kundensupporter. Nach sieben Jahren folgte wiederum eine Kündigung. Der Antrag an die IV mündete in einer weiteren Diagnose: Asperger-Syndrom, Schwierigkeiten bei der Kommunikation und dem sozialen Kontakt. Mit diesen Voraussetzungen war es für Brülhart quasi unmöglich, wieder eine Stelle zu finden. «Bei der Bewerbung sind viele Menschen voreingenommen, wenn man wie ich etwas mit der IV zu tun hat», so Brülhart nachdenklich. Er findet es schade, dass es beim Bewerbungsgespräch nicht um den Menschen gehe, sondern dass er automatisch in eine Schublade gesteckt werde.