Frankreichs Präsident Macron besucht Syrien
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist als erster westlicher Staatschef seit Ende des syrischen Bürgerkriegs in Syrien eingetroffen. Syriens Aussenminister Asaad al-Schaibani empfing Macron nach dessen Landung am Flughafen heute in der Hauptstadt Damaskus, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete. Der Pariser Élysée-Palast bestätigte die zweitägige Reise. Vorgesehen sind demnach mehrere Arbeitsessen und Gespräche mit Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa, Treffen mit Akteuren der syrischen Zivilgesellschaft und ein Wirtschaftsforum zum Wiederaufbau Syriens und zu strategischen Korridoren.
Macron selbst äusserte sich parallel zur Ankunft in sozialen Medien. «Ich komme, um das Engagement Frankreichs für das syrische Volk zum Ausdruck zu bringen», teilte Macron bei X mit. «Lassen Sie uns gemeinsam ein neues Kapitel der Stabilität und des Friedens aufschlagen.»
Während des verheerenden Bürgerkriegs und der brutalen Herrschaft von Machthaber Baschar al-Assad, der Ende 2024 gestürzt wurde, war Syrien weitgehend international isoliert. Seit 2010 hatte kein Staatsoberhaupt aus der Europäischen Union mehr das Land besucht. Der letzte Staatschef Frankreichs, der Syrien besuchte, war Nicolas Sarkozy im Januar 2009.
Frankreich war nach Auflösung des Osmanischen Reiches nach einer Besetzung Mandatsmacht in Syrien und im benachbarten Libanon. Von 1920 bis zur syrischen Unabhängigkeit 1946 kontrollierte Paris damit etwa Wirtschaft und Bildung im Land. Bis heute ist der historische und kulturelle Einfluss Frankreichs in Syrien wie auch im Libanon spürbar.
Nach Beginn des syrischen Bürgerkriegs ab 2011 verschlechterten sich die Beziehungen zu Frankreich dramatisch. Paris schloss seine Botschaft und unterstützte aus seiner Sicht die Interessen der Zivilbevölkerung. Es erklärte den Sturz Assads zur Priorität, schloss sich dem US-Bündnis zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als erstes Land an und lieferte der Opposition, die den Kampf gegen den IS unterstützte, auch Waffen. Der IS hatte in Frankreich mehrere schwere Terroranschläge und -angriffe verübt, unter anderem 2015 in Paris.