Die Augen von Aussenstehenden ausleihen
So ganz passt die Leiterin eines nach ihr benannten Laboratoriums (https://loebellab.com) nicht in das Schema des Anlasses, bei dem üblicherweise Forschende aus der wissenschaftlichen Davoser Gemeinschaft zum Gespräch gebeten werden. Doch schnell wurde klar, warum Löbl ihren Platz hat. In Davos ist sie aktuell als Teilnehmerin der diese Woche stattfindenden 33. Jahreskonferenz der Europäischen Gesellschaft für Biomaterialien (ESB2023). Ihre wissenschaftlichen Sporen abverdient hatte sich die an der Universität Halle ausgebildete Ärztin jedoch als Doktorandin am AO Forschungsinstitut. Von da aus ging es dann in die USA mit Detroit als vorläufig letzter Station. «Bei unserer Forschung wollen wir besser verstehen, wie Zellen untereinander agieren, und die Brücke zwischen Wissensschaft und Medizin schlagen», sagte sie einleitend über die Arbeit ihres Teams. Weil nach und nach zahlreiche Teilnehmende der ESB 2023 im Kulturplatz Platz nahmen, glitt das Gespräch für kurze Zeit in einen fachlichen Austausch unter Spezialisten ab, wurde von Moderatorin Barbara Haller-Rupf von der Academia Raetica bald aber wieder auf allgemein verständliches Terrain geführt. In Davos habe sie gelernt, genau zu arbeiten, stellte Löbl fest. «Wissenschaft in den USA arbeitet schneller, ist aber nicht so detailversessen.» Dafür seien die Möglichkeiten in einem sehr wettbewerbsorientierten Umfeld viel grösser, beschrieb sie die wichtigsten Unterschiede. Ausführlich wurde das Gespräch beim Thema wissenschaftliche Kommunikation, was ja auch eines der Ziele des «Researchers Beer» ist. Sie wolle ihre Forschung bekannt und zugänglich machen, sagte Löbl. «Meine Botschaft ist, Biomaterialien sind spannend. Bitte beschäftigt euch damit.» Um ihre Arbeit auf eine einfache Art verständlich zu machen, bediene sie sich Wackelpuddings, in den sie Nüsse streue, erzählte sie weiter. Doch die Vorteile des Austausches mit Nicht-Fachpersonen oder Kindern seien beiderseitig. Oft würden diese «seltsame» Fragen stellen, die sie in ihrer Forschung schliesslich vorwärts brächten. «Darum leihe ich mir gerne die Augen von Aussenstehenden aus.»