Neue Gefahr am Flüela
«Wir sind eigentlich soweit, doch der Wetterbericht verspricht noch einmal bis zu zehn Zentimeter Neuschnee», erklärt Jürg Rocco, Sicherheitschef des Vereins Pro Flüela, der im Mai noch für Passstrasse zuständig ist. «Der Neuschnee kann weggeschoben werden, doch das Vereisen ist das viel grössere Problem», ergänzt Rocco. Da um diese Jahreszeit viele schon mit Sommerausrüstung unterwegs sind, erwartet der erfahrene Sicherheitschef in diesem Fall Probleme und will sich nicht auf Experimente einlassen. «Ich stelle im Moment keine Prognose. Der Pass wird kurzfristig geöffnet werden.»
Immer grössere Sorgen macht sich Rocco allerdings wegen einer ganz anderen Klientel. Immer öfters entdecken Velofahrer von dies und jenseits des Passes die geschlossene und daher autofreie Strasse als ideale Trainingsstrecke. «Was sie nicht bedenken, ist, dass sie zwischen den hohen Schneemauern für die Räumungsequipen nicht sichtbar sind und selber auch nicht darüber hinaus sehen können.» So kommt es immer öfter zu prekären Begegnungen und Fast-Unfällen. «Erst kürzlich überholte mich ein Radfahrer-Paar. Ich beobachtete die Frau im Spiegel, als der Mann unmittelbar vor die laufende Fräse einbog und zu Fall kam.» Gerade noch rechtzeitig gelang es Rocco, die Fräse abzustellen. «Einen Meter weiter und das Bein wäre ab gewesen», beschreibt er den Schreckmoment. Diese Sonntagssportler würden sich ausserdem oft durch forderndes Verhalten auszeichnen. «Mir ist es passiert, dass sich jemand demonstrativ vor die laufende Fräse stellte und Durchlass verlangte.» Was diesen Leuten jedoch gänzlich fehle, sei Rücksichtnahme auf die Fahrer der Räumungsgeräte, die eigentlich von einem unbefahrenen Pass ausgehen dürfen. «Sie wären es, die bei einem Unfall unverschuldet mit diesen Bildern leben müssten.»