Feministischer Frauenstreik fordert ein Thurgauer Frauenhaus
Im Kanton Thurgau ist der Ruf nach einem Frauenhaus unüberhörbar in der Politik angekommen. Nun soll eine Motion die Kantonsregierung beauftragen, eine aktive Mitträgerschaft für ein Frauenhaus zu übernehmen.
Vor dem Frauenfelder Rathaus demonstrierte am Mittwoch zum wiederholten Mal eine Gruppe Frauen. Drinnen tagt der Grosse Rat. Draussen wird bei der Mahnwache die Forderung laut: «Ein Frauenhaus im Thurgau – Jetzt!» Knapp 15'000 Unterschriften haben die Frauen bereits gesammelt.
«Wir werden von jetzt an bei jeder Sitzung des Grossen Rates vor dem Rathaus Frauenfeld präsent sein», schreibt das Feministische Streikkollektiv Thurgau auf seiner Webseite. «Und zeigen, dass wir das Wegschauen des Kantonsrats nicht weiter tolerieren – solange, bis eine Motion an den Regierungsrat gestellt wird.»
25 Frauen und 39 Kinder in einem Jahr
«Ermordet, weil sie Frauen sind!», lautet der Name der Interpellation, die an der Sitzung des Grossen Rates diskutiert wird. Die Kantone Zürich und St. Gallen hätten genug vom «Schmarotzertum» des Thurgaus, sagt eine Interpellantin. Mit dem Frauenhaus Winterthur hat der Thurgau eine Leistungsvereinbarung. Sind dort keine Plätze frei, werden schutzbedürftige Frauen in St. Gallen untergebracht. Regelmässig werde jedoch von ausserkantonalen Institutionen eine fehlende Zahlungsbereitschaft im Thurgau kritisiert.
Mit rund 300'000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist der Thurgau der mit Abstand grösste Kanton ohne Frauenhaus, kritisieren die Befürworterinnen. Gemäss Statistik der Regierung hielten sich im Jahr 2024 insgesamt 25 Frauen und 39 Kinder aus dem Thurgau in einem Frauenhaus auf.
Angesichts der schweizweiten Überlastung der bestehenden Frauenhäuser reiche laut feministischem Streikkollektiv Thurgau eine Leistungsvereinbarung mit einem anderen Kanton nicht aus. Denkbar wäre jedoch eine gemeinsame Trägerschaft mit dem Kanton Schaffhausen, der ebenfalls kein Frauenhaus hat.