Eine graue Achterbahnfahrt durch den März
von Felix Blumer *
Im März 2023 gab es praktisch wöchentlich einen Kälteeinbruch, meist mit Schnee bis deutlich unter 1000 Meter, dazwischen wurde es aber immer wieder frühlingshaft warm, manchmal sogar fast schon sommerlich. Ganz ausgeprägt war der Wetterwechsel zwischen dem 11. und 13. März. So fielen am 11. und 12. März in Glarus insgesamt 8 Zentimeter Schnee, am 13. März wurden aber bereits wieder 17,4 Grad gemessen. In Basel lag am 13. März der Höchstwert bei 23,4 Grad, das war die höchste dort je in der ersten Märzhälfte registrierte Temperatur. 14 weitere Stationen im staatlichen Messnetz registrierten an jenem Tag einen neuen Höchstwert für die erste Märzhälfte.
Bei uns im Kanton gab es an jenem Tag allerdings keine Rekorde. Die Monatshöchstwerte wurden im Kanton Glarus erst in der zweiten Monatshälfte verzeichnet. In der Stadt wurden am 23. März 19,1 Grad gemessen, in Elm am gleichen Tag 16,5 Grad.
Wärmeüberschuss unter dem Strich
Das Auf und Ab der Temperaturen führte aber insgesamt zu einem deutlichen Wärmeüberschuss. Im Vergleich zur klimatologisch relevanten Norm der Jahre 1961 bis 1990 war es bei uns im Kanton 2,5 bis fast 3 Grad zu warm. An den meisten Orten nördlich der Alpen war der Wärmeüberschuss im ähnlichen Bereich. Im Süden lagen die Temperaturen mehr als 3 Grad über der Norm. Im Vergleich zum Vorjahr war es bei uns allerdings fast schon kühl. 2022 lag die Durchschnittstemperatur im Hauptort rund 0,7 Grad höher.
Nur selten richtig kalt
Trotz Schneefall teilweise bis ins Tal, so auch am 27. und 28. März, war es selten bitterkalt. Am Genfersee und in Lugano sowie in Locarno blieb der Frost sogar ganz aus. Auch in der Stadt Glarus lag der Monatstiefstwert mit –1,8 Grad verhältnismässig hoch. In Elm war es dagegen mit –7,2 Grad am 15. März nochmals richtig winterlich.
Sonne hat noch Luft nach oben
Im ersten Frühlingsmonat hielt sich die Sonne noch stark zurück. Nur im Mittel- und Südtessin sowie stellenweise im Kanton Graubünden machte sie Überstunden. Sonst war es trüber als sonst im März. Bei uns im Kanton gab es nur gut 80 Prozent der üblichen Sonnenstunden. Spannend ist die Situation in Pully am Genfersee. Dort gab es sogar nur 72 Prozent des sonst üblichen Sonnenscheins, trotzdem blieb Frost den ganzen Monat aus. Die vielen Wolken verhinderten in der Nacht eine allzu starke Abstrahlung, und entsprechend kühlte es auch nur mässig ab.
Ist die Trockenheit abgesagt?
Noch zu Beginn des Monats waren die Gazetten voll von Berichten zur bevorstehenden Trockenheit in diesem Sommer. Mit dem aktuellen Niederschlag ist die Gefahr vorerst gebannt. In weiten Teilen der Schweiz war der März deutlich zu nass.
Im Hauptort gab es 70 Prozent mehr Regen als sonst im März. Auch in Elm und Braunwald lagen die Werte 20 bis 30 Prozent über der Referenz. Nur im Tessin und in Teilen Graubündens war es immer noch zu trocken. Eine abschliessende Aussage für den Sommer kann man aber genauso wenig machen, wie man vor einem Monat die grosse Dürre prognostizieren konnte.
Schneehöhen täuschen massiv
Fakt ist: Die Niederschläge im vergangenen Monat haben die Trockenheit entschärft. Dank gleichmässigem Regen erholen sich die Grundwasserspiegel langsam. In Braunwald lagen am Donnerstagmorgen 28 Zentimeter Schnee, der Durchschnittswert beträgt zu diesem Zeitpunkt 89 Zentimeter. Auf der Station Chüebodensee auf 2050 Metern über Meer wurden zum gleichen Zeitpunkt sogar 1,87 Meter bei einem Durchschnittswert von 2,2 Meter gemessen. Dieser Wert liegt nahe am langjährigen Mittel. Allerdings sagen die aktuellen Schneehöhen nicht viel aus, viel entscheidender ist das Wasseräquivalent, also das in der Schneedecke gespeicherte Wasser. Im Normalfall hat eine Schneedecke zu diesem Zeitpunkt ein spezifisches Gewicht von 400 bis 600 Kilogramm pro Kubikmeter, jetzt sind es meist nur zwischen 200 und 300 Kilogramm.
Fällt in den kommenden Wochen im Gebirge nicht noch massiv Schnee, dann schmilzt die aktuelle Schneedecke rasch ab. Die Folge: Es fehlt in den möglicherweise heissen Sommermonaten nicht nur Schmelzwasser, sondern die schneefreien Gebirgsflächen können sich auch viel stärker aufheizen. Die Frage nach einem Dürresommer kann also weiterhin nicht beantwortet werden, das Potenzial ist aber immer noch vorhanden.
Und jetzt?
In den kommenden Tagen bleibt es unbeständig, und die Temperaturen sind weiterhin stark schwankend. Nach einem kräftigen Hoch sieht es aktuell aber nicht aus.
* Der Glarner Felix Blumer ist Meteorologe bei Schweizer Radio und Fernsehen.