Familienmensch mit mentaler Stärke
Chris Baltisberger ist bisher die prägende Figur der ZSC Lions in der Halbfinalserie gegen Davos (1:1). Der 34-jährige Stürmer ist jemand, der über den Tellerrand hinausschaut.
Chris Baltisberger ist ein ausgesprochener Familienmensch. Es ist zum Ritual geworden, dass der ältere seiner beiden Söhne, fünf Jahre alt, nach einer Heimpartie in die Garderobe der Lions geht und dort ein bisschen spielt. Auch Chris Baltisbergers Eltern waren am Ostermontag im Stadion und sahen, wie ihr Sohn im zweiten Halbfinalspiel gegen Davos (3:1) das entscheidende 2:1 schoss. Dies am 6. April, einem Tag, an dem es zwei Jahre zuvor ein einschneidendes Ereignis gegeben hatte: Der Vater erlitt einen Herzstillstand und wurde zwischenzeitlich ins künstliche Koma versetzt.
Mentale Tools angeeignet
Allerdings ist dieses Datum nicht im Kopf von Chris Baltisberger abgespeichert. Ohnehin ist er jemand, dem es gut gelingt, in den Moment einzutauchen, was nicht von ungefähr kommt, da er sich intensiv mit dem Mentalen auseinandergesetzt hat. Er habe zum Glück früh erkannt, dass dieser Aspekt der Entscheidende sei, sagt der routinierte Stürmer.
So hat sich Baltisberger Tools angeeignet, die ihm helfen, gut mit seiner Rolle im Team umzugehen – hat doch von den Stammspielern der Lions keiner in der Qualifikation im Schnitt weniger Eiszeit erhalten als er (9:15 Minuten). In den bisherigen sechs Playoff-Partien sind es noch weniger (8:38 Minuten).
Es sei nicht zielführend, «wenn es abhängig ist vom Trainer, ob ich Selbstvertrauen habe oder nicht», betont Baltisberger. «Da muss ich mir selber helfen, auch wenn es mühsam ist, immer wieder all meine Tore und guten Aktionen anzuschauen. Aber man muss sich hin und wieder daran erinnern, es noch drauf zu haben. Denn wir sind doch Menschen mit Gefühlen.»
Baltisberger weiter: «Es ist etwas vom Wichtigsten, mit Freude zu spielen, auch in den Playoffs, wenn so viel Druck vorhanden ist. Es kommt jedoch immer darauf an, wie du das Ganze anschaust. Auf der einen Seite ist es Druck, auf der anderen Seite auch immer wieder eine Chance. Als ich 2012 in Davos mein erstes Playoffspiel bestritt, war ich extrem nervös, nun geniesse ich es einfach. Es ist ein Traum, den ich leben darf.»