«Es tut so weh» – Italien trauert nach verpasster WM-Teilnahme
Jetzt also Bosnien. Zum dritten Mal in Folge scheitert Italien in der Qualifikation für eine Weltmeisterschaft. Die grosse Fussballnation liegt am Boden – welche Konsequenzen gibt es?
Am Tag nach dem erneuten Scheitern herrscht von Südtirol bis Sizilien überall la grande tristezza: die grosse Trauer. In Italiens Cafés gibt es unter regenverhangenem Himmel beim morgendlichen Cappuccino nur ein Thema: Wie konnte die Squadra Azzurra das entscheidende Playoff-Spiel in Bosnien-Herzegowina vergeigen und zum dritten Mal hintereinander die Fussball-WM verpassen? Sogar die Abgeordnetenkammer in Rom beschäftigt sich damit, dass alles vorbei ist, bevor es überhaupt losgeht.
«Das Drama ist, dass es kein Drama mehr ist, sondern Gewohnheit. So sind wir eben. Wir sind kaum mehr als ein Nichts. Und wir sind raus», klagt die Tageszeitung «La Repubblica». «Das ist mehr als eine Schande. Es ist ein Verschwinden. Wir sind ausgestorben wie die Mönchsrobben.» Die Konkurrenz vom «Corriere della Sera» malt sogar «Italiens Apokalypse» an die Wand.
«Unaufhaltsamer Niedergang»
Die grösste Sportzeitung «La Gazzetta dello Sport» schreibt von einer «weiteren Katastrophe», auf die man hätte vorbereitet sein müssen. «Nach Schweden, nach Nordmazedonien ist es nun Bosnien, das uns aus dem Wettbewerb wirft, den wir immer als unseren eigenen empfunden haben.»
Italiens Fussball steckt in der grössten Krise seiner Geschichte. Wie schon 2018 in Russland und 2022 in Katar bleibt der einst so stolzen Fussballnation auch bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko nur die Zuschauerrolle. Besiegelt wurde das Schicksal mit einem 1:4 im Penaltyschiessen gegen die Aussenseiter aus dem kleinen Bosnien-Herzegowina. Im Stadion der 120'000-Einwohner-Stadt Zenica – ein Name, den bislang in Italien keiner kannte und jetzt jeder – flossen die Tränen.
Der Trainer entschuldigt sich
Auch bei Trainer Gennaro Gattuso. «Ich persönlich entschuldige mich bei den Italienern. Ich habe es nicht geschafft. Es tut so weh», sagte der Weltmeister von 2006 gleich nach dem Spiel mit tränenerstickter Stimme. Er hatte das Team im Juni mit der klaren Zielvorgabe übernommen, Italien zur WM zu führen. Die personelle Zäsur, die im Land des viermaligen Weltmeisters erwartet wird, dürfte auch ihn treffen.