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Schweiz und Welt

«Es ist im Moment wie eingefroren»

Südostschweiz
06.04.2022, 04:30 Uhr
gestern um 16:30 Uhr

Die Ems-Gruppe betreibt zwei Produktionsstätten in Russland mit je 30 Mitarbeitern. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine ist das russische Geschäft zusammengebrochen. Wir haben darüber berichtet:

Ems-Chemie legt ihre russische Produktion auf Eis

Ems-Chefin Magdalena Martullo sprach am Montagabend in der SRF-Sendung «Eco Talk» über die Situation. Ihre beiden Niederlassungen in Russland hätten derzeit mit Lieferproblemen zu kämpfen. «Es ist im Moment wie eingefroren», sagte Martullo. Der Ems-Chemie sei dennoch wichtig, dass die Mitarbeiter dort ihre Löhne bekämen, da der Alltag für die Russen nicht einfach sei. Man muss laut Martullo Russland ein wenig kennen, um die Situation beurteilen zu können. «Die russische Bevölkerung hat kein Mitspracherecht im Krieg. Die Leute können sich nicht beteiligen.» Vergleichbar mit unserer Demokratie sei das nicht.

In der internen und externen Unternehmenskommunikation dürfen Mitarbeitende der Ems-Chemie das Wort «Krieg» nicht mehr verwenden; sie müssen stattdessen vom «Ukrainekonflikt» sprechen. Eine entsprechende firmeninterne Sprachregelung wurde letzte Woche bekannt. Martullo bestätigte in der Sendung, dass es diese Regelung gibt: «Wir haben gehört, dass Mitarbeiter in Russland, die das Wort ‹Krieg› verwenden, bis zu 15 Jahren Gefängnisstrafe in Sibirien bekommen können.»

Die Ems-Chemie wolle mit der Sprachregelung solche Inhaftierungen vermeiden und ihre 60 Angestellten schützen. Denn die Firma sei täglich mit den russischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kontakt. Ausserdem argumentierte Martullo, dass es auch in anderen Branchen wie im Journalismus oder Bankensektor teils Spezialregelungen im Sprachgebrauch gebe. SRF-Moderator Reto Lipp entgegnete, dass beispielsweise der Nestlé-Konzern, welcher 7000 Angestellte in Russland habe, keine solche Sprachregelung kenne.

Die russischen Unternehmen der Ems-Chemie seien zudem nicht von der politischen Situation und deren Sanktionen abhängig. «Wir haben keine staatlichen Aufträge, sondern nur Privatkunden», sagte Martullo. Dennoch hoffe sie, dass es bald wieder Frieden gebe und die Situation nicht eskaliere. Als Politikerin spreche sie auch vom «Krieg» in der Ukraine. Würde Russland die europäische Energieversorgung abschalten, hätte das aber katastrophale Folgen, mahnte Martullo. (red)

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