«Es ist ein grosses Privileg, hier zu sein»
Nach einem Empfang mit Frühstück durch WEF-Direktor Alois Zwinggi im «House of Switzerland» wurden die Davoser und Davoserinnen entlassen, den Betrieb im Kongresszentrum auf eigene Faust zu erkunden. Gegen Mittag und mit einigen ersten Eindrücken hatten sie einen Termin mit der «Davoser Zeitung», an dem sie von ihren Erlebnissen berichteten. Für Walter Schneider ist es, wie für alle anderen, das erste Mal, dass er während des Forums das Innere des Kongresszentrums betreten darf. Gefragt nach seinen Eindrücken, nennt er sofort die spezielle Atmosphäre, die herrsche. Gleich klingt Johanna Van Dijke: «Die Atmosphäre ist sympatisch, und man macht nette Begegnungen». Mehr Hektik hatte Natalia Kessler erwartet. «Es herrscht eine ruhige Stimmung. Man sieht so viele Menschen in gute Gespräche verwickelt.» Für Lisa Fritsch ist es eine faszinierende Paralellwelt, die sie da betreten habe. «Ich kannte dass WEF vorher nur von der Promenade aus. Erst jetzt habe ich verstanden, dass das hier im Kongress eigentlich der zentrale Teil ist.» Mit dem Betreten habe sie sich wie eine Touristin gefühlt. Claudia Christen Kühnis wiederum findet das Ganze schwierig einzuordnen. «Es ist eine solche Vielfalt an Panels, Referenten und Themen.» Die Organisation hat sie beeindruckt. «Diese gedämpfte Atmosphäre, ruhig und konzentriert. Dazu so viele freundliche Leute.» Man müsse das persönlich erleben um zu verstehen, was hier vor sich gehe, ergänzt Schneider. Ihn hat vor allem die internationale Bühne beeindruckt, der rege Gedankenaustausch auf höchster Ebene. Beeindruckt zeigt sich auch die frisch gewählte Grossrätin Seraina Mani. Als Trägerin eines weissen Batches werde man Teil dieser besonderen Gemeinschaft. Vor allem die Grösse des Anlasses, die Infrastruktur und die Organisation sind ihr positiv aufgefallen. «Es ist spannend, für einmal Teil davon zu sein und es von Nahem zu erleben.»
Verschiedene Sessionen
Einige der Gruppe besuchten an diesem Morgen die Session «European Unity in a Disordered World?» und ziehen eine positive Bilanz. «Es ist natürlich etwas ganz Anderes, so etwas live zu hören», findet Mani. Doch es seien spannende Ideen, die da ausgetauscht würden. Allein, ein gewisser Zweifel bleibt: «Alle reden vom Gleichen. Die Frage nach der Umsetzung bleibt natürlich bestehen.» Für van Dijke sind ganz andere Erkenntnisse wichtig: «Nun verstehe ich endlich, was hinter den drei Buchstaben WEF steht». Als Einheimische verbinde man mit dem Anlass vor allem die Einschränkungen, die Behinderungen und die Hektik. «Es ist doch einfach mühsam», fasst die auf einen Rollstuhl angewiesene IV-Rentnerin zusammen. Darum ist sie umso mehr beeindruckt, welche Mühe sich die Verantwortlichen beim WEF gaben, um ihr den Besuch zu ermöglichen. Bis hin zu einer vertrauten Person, die sie durch das Gewirr der Hallen und Treppen schob. Am Vorabend hatte sie sich online noch das Benefizkonzert zu Gunsten der Ukraine angehört. «Auch das war eindrücklich und berührend. Musik ist halt die Sprache des Herzens.»
Andere der Gruppe hatten sich dem Panel zum Thema «Generation Disruption: Millenials at the Helm» angeschlossen. «Diese jungen Leute zu erleben, war sehr interessant», fasst Kessler zusammen. «Man hat den Eindruck, die nächste Generation hat eine gute Zukunft.» Christen wiederum nimmt einzelne Zitate aus der Session mit: «Einer dieser jungen Menschen sagte, dass er nicht hier wäre, wenn er nicht auch schon gescheitert wäre.» Die Verletzlichkeit, die er damit gezeigt habe, beeindrucke sie. Fritsch wiederum interessierte sich für «A new Pathway for the Amazon Basin». Sie habe sehr viel mitnehmen können, aber auch festgestellt, dass die Session sehr viel Vorwissen verlangt hätte. «Etwas enttäuscht war ich, wie wenig Dialog stattfand. Es waren vor allem die Panellisten, die sprachen.» Das sei schade, denn Mehrwert entstehe vor allem aus Dialog.
Grosses Privileg
Einhellig der Meining sind alle, dass die Teilnahme im Inneren des Kongresshauses ein grosse Privileg sei, für das sie sehr dankbar seien. Alle Befragten waren dem Anlass gegenüber positiv eingestellt gewesen und fanden ihn schon zuvor wichtig und sinnvoll. Schneider geht sogar einen Schritt weiter und sagt, dass dieser Besuch seine Einstellung zum WEF noch verbessert habe. «Den Puls dieser Veranstaltung kann man nur fühlen, wenn man dabei ist.»