«Es gibt Wichtigeres als das geschriebene Gesetz»
David Fopp, der Klimastreik der Schüler hat von Schweden aus auf ganz Europa übergegriffen. Wie haben Sie die Anfänge in Ihrer Wahlheimat erlebt?
David Fopp: Die Schülerin Greta Thunberg, die mit ihrer Rede an der UNO-Klimakonferenz weltweit bekannt wurde, begann in Stockholm während des Wahlkampfs 2018 vor dem schwedischen Parlament zu streiken. Als Forscher, der sich für globale Umweltbewegungen interessiert, aber auch als Mensch, der ihr Anliegen richtig findet, habe ich Greta Thunberg und ihre Mitstreitenden von Anfang an unterstützt. Dabei habe ich mit ihnen wöchentlich vor dem Parlament Gespräche geführt. In Schweden ist die Klimabewegung mittlerweile generationenübergreifend, bei den Protesten laufen viele Erwachsene mit.
An der Universität Stockholm forschen Sie unter anderem über soziale Veränderungsprozesse und Beteiligung in der Demokratie. Wie bewerten Sie die Klimastreik-Bewegung aus dieser Perspektive?
Dass Jugendliche zivilen Ungehorsam zeigen und sich so in die Gesellschaft einmischen, hat eine lange historische Tradition. Ein Thema war das bereits für die Athener Demokratie. Der Grundsatz dieser Bewegungen ist stets die feste Überzeugung: Es gibt Dinge, die wichtiger sind als das geschriebene Gesetz. Darum formulieren solche Gruppen, was dringend getan werden muss, und fordern die Politik dazu auf, sich danach auszurichten.