Erleichterung für die Gewerbetreibenden?
Gerade an zwei Standorten im Kanton – Chur und Zernez – ist gegenwärtig die für die Ausstellung verschiedener Ausweise notwendige Erfassung oder Erneuerung von biometrischen Daten möglich. Bei langlebigen Dokumenten wie Pässen sei diese dünne Abdeckung vertretbar, schreibt Wilhelm. «Seit Frühling 2021 jedoch müssen auch für die Erlangung von Grenzgänger- und Kurzaufenthaltsbewilligungen ‹G› und ‹L› biometrische Daten erfasst werden.» Damit müsse jede neue Fachkraft zuerst einmal den Weg zu einem der beiden Ausweiszentren unter die Füsse nehmen. Das erzeuge unnötige Mobilität, Kosten und Aufwand für die Arbeitgebenden, findet Wilhelm und bringt Davos in Stellung: «Die Gemeinde Davos wäre bereit, in Zusammenarbeit mit dem Kanton auf ihrem Gemeindegebiet die Einrichtung eines weiteren, einfachen Ausweiszentrums zu eruieren.» Dabei erwartet er, dass in den folgenden Jahren ein Bedarf von jährlich rund 3500 Datenerfassungen im Raum Davos besteht. Mit einbezogen sind dabei auch Gemeinden des Albulatals, Klosters und weitere Gemeinden im oberen Prättigau.
Erleichterung für das Gewerbe
Die Ansiedlung eines solchen Zentrums sei vor allem wichtig für hiesige Betriebe, zum Beispiel in der Hotellerie, welche auf Saisonangestellte angewiesen und mit der heutigen Lösung mit grossem administrativen Aufwand belastet seien, antwortet Wilhelm auf eine Anfrage der DZ. «Obendrein verursacht das hunderte bis tausende von unnötigen Fahrten durch den Kanton.» Darüber, ob das nun der Anfang eines kantonalen Dienstleistungszentrums in Davos sein könnte, mag er nicht spekulieren: «Nun ja, ganz neu wäre das ja nicht. Es gibt bereits heute verschiedene kantonale Dienstleistungen in Davos im regionalen Verwaltungszentrum ‹Main Station›. Natürlich wäre schön, wenn weitere kantonale Arbeitsplätze und Dienstleistungen in Davos angesiedelt wären.» Doch bereits ein Ausweiszentrum würde Davos – gemäss Wilhelms Rechnung – drei bis fünf Arbeitsplätze mit einem gesamtheitlichen Pensum von zwei bis zweieinhalb Vollzeitstellen bringen. Auch darüber, wo diese örtlich eingerichtet werden könnten, mag der Landammann noch nicht spekulieren. Es müsse in Gesprächen ermittelt werden, ob die Räumlichkeiten von Kanton oder Gemeinde gestellt würden. Ausserdem wäre das von der gewählten Umsetzungsvariante abhängig. «Natürlich haben wir da Ideen, wollen aber nicht zu stark vorgreifen.» Von Davos zu tätigende Investitionen erwartet er dabei nicht: «Die heute betriebenen Ausweiszentren werden vollständig von der kantonalen Verwaltung finanziert.»
Die politische Umsetzung
Im Ratsbetrieb sei sein Vorstoss auf grosses Interesse gestossen, berichtet Wilhelm weiter. «Die Unterstützung für den Vorstoss war recht gross. Einerseits aus unserer Region Prättigau/Davos und Richtung Albula, aber auch aus Italienischbünden und der Cadi. Das ist nicht ganz zufällig, denn heute sind nur die zwei einwohnerstarken Gebiete Rheintal und Engadin gut erschlossen.» Bis zu einer möglichen Umsetzung, die der Landammann frühestens auf Sommer 2023 als realistisch erachtet, unterliegt der Entscheid aber dem Grossen Rat. Dieser dürfte frühestens im Juni dieses Jahres fallen. Anschliessend sei der Fahrplan abhängig von der gewählten Umsetzungsvariante. Und welche Chancen gibt der Davoser Grosserat dem Vorstoss im Churer Ratsbetrieb? Wilhelm: «Das ist immer schwierig zu prognostizieren. Mit 53 Ratsmitgliedern hat doch fast die Hälfte des Rates den Vorstoss bereits unterzeichnet. Nun wird es auch eine Frage sein, wie die Regierung den Vorstoss aufnimmt und welche Umsetzungsvarianten sinnvoll – und letztlich auch wirtschaftlich – sind.»
Von den zu dieser Thematik angefragten Gewerbebetrieben erhielt die DZ bis zum Redaktionsschluss keine Antwort.