Viel Wind und Wellen – wenige Fische
Der Wecker klingelte gefühlt mitten in der Nacht. Warum, was? Ah ja – mit einem Mal bin ich hellwach. Heute ist ja das Preisfischen Flüelasee des Fischereivereins Davos. Eigentlich sind es ja zwei Seen, der Schwarzsee (der kleinere) und der Schottensee (der grössere). In beiden kommen (dank aktivem Besatz) Fische vor, im Schwarzsee vor allem Regenbogenforellen, im Schottensee sind es Bachforellen und Namaycush (Kanadischer Seesaibling). Auf Letztere hoffen wohl die meisten Fischer heute, denn diese sollen schon mal einen knappen Meter gross werden, und heute zählt das Gewicht der (natürlich streng gemäss den kantonalen Vorschriften) gefangenen und ausgenommenen Fische.
Also auf ins Abenteuer! Oben angekommen, empfängt mich ein eiskalter Wind. Zum Glück habe ich meine Winterjacke eingepackt. Im Halbdunkel des beginnenden Tages mache ich sehr viele Fischer aus – genau genommen waren es 29 Personen. Wo bleibt denn da noch Platz für mich? Die meisten setzen ihren Bammel oder ihre Bienenmade auf Grund und wärmen sich äusserlich am Feuer und innerlich bei mitgebrachtem «Lutz». Ich werfe meinen Wobbler Richtung See – immer wieder. Kein Zupf. Langsam arbeite ich mich um den See herum, frage nach dem bisherigen Erfolg. Wenig. Fabian, der spätere Gewinner, meint, es hätten nur ein paar Springer kurz den Bammel zerrissen. Ich lasse mich aufklären, dass Springer weniger als das Minimum messende Namaycush sind. Kurz darauf hängt so einer an meinem Wobbler, kaum grösser als der Köder. Vorsichtig löse ich den Einzel-Schonhaken aus dem Maul des Tieres, ohne es mit meinen Händen zu berühren. Bye-bye, wachse noch ein wenig. So Ritscha will (die sagenumworbene Wassernymphe aus dem Engadin), sehen wir uns wieder.
Plötzlich höre ich laute Rufe und Gejohle – da hat offensichtlich jemand einen Fisch gefangen. Wer das wohl sein wird? Ich setze meine Runde um den See fort, tappe vorsichtig über die riesige Lawine, die im Winter das Eis des Sees durchbrochen hat, und langsam erreichen mich die ersten Gerüchte. Um 12 Uhr wird es dann offiziell – die Fische werden gewogen, und es zeichnet sich ein Start-Ziel-Sieg von Fabian Meisser ab. Er hat 4 der insgesamt 15 gefangenen Fische erwischt, und mit 1.8 Kilogramm fast die Hälfte der insgesamt 4.3 Kilogramm wiegenden Fänge erbeutet.