«Entsetzliche Gewalt» bei Protesten erschüttert Frankreich
Schwere Ausschreitungen haben landesweite Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten in Frankreich überschattet. Plünderungen, Brandstiftungen und Angriffe auf Rathäuser verursachten am Samstag Millionenschäden – Premierminister Sébastien Lecornu prangerte ein «entsetzliches Ausmass an Gewalt» an. 2.000 Menschen wurden festgenommen und 600 Polizisten und Feuerwehrleute verletzt, wie Innenminister Laurent Nuñez sagte. Inzwischen gibt es für den 5. November den Aufruf zu neuen Protesten.
Plünderungen und schwere Beschädigungen gab es in Paris, Marseille, Lyon, Bordeaux, Rennes, Strassburg, Grenoble, Nizza und weiteren Städten. Die Schäden seien immens, insbesondere für Hunderte betroffene Geschäftsleute, sagte der Innenminister.
In der rund 130.000-Einwohner-Stadt Limoges wurde das prächtige, unter Denkmalschutz stehende Rathaus in Brand gesetzt und schwer beschädigt. «Dank der Einsatzmassnahmen konnte der hintere Teil des Gebäudes gerettet werden», sagte der Präfekt des Départment Haute-Vienne, Maurice Barate, dem Sender BFMTV. Ein Foto zeigt die ausgebrannten Dachstühle des vorderen Gebäudeteils, klaffende Löcher, wo einst Fenster waren, und dunkle Russspuren an der hellen Fassade.
Breiter Protest gegen schlechte Lebensbedingungen
Den Protesten und Demonstrationen schlossen sich verschiedene Gruppierungen an. Landesweit beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums 550.000 Menschen, darunter 110.000 in Paris. Die Gewerkschaft CGT sprach von 800.000 Teilnehmern.
Darunter waren Schüler und Studenten, die seit Wochen für bessere Lernbedingungen demonstrieren. Bei dem Protestaufruf, der keiner Organisation klar zuzuordnen war, ging es auch um hohe Spritpreise, niedrige Löhne, die grosse Zahl von zu Niedriglöhnen Beschäftigten sowie Probleme der Landwirtschaft und der Feuerwehr. Aufgrund des bereits hohen Haushaltsdefizits und Frankreichs hoher Verschuldung ist der Handlungsspielraum der Regierung, auf Forderungen der Demonstranten einzugehen, allerdings begrenzt.