«Ende der Tortur»: Grenze Spanien-Gibraltar nun kontrollfrei
Nach mehr als einem Jahrhundert hat die Grenzbarriere zwischen Spanien und Gibraltar ausgedient. Seit Mitternacht gibt es keine Grenzkontrollen mehr zwischen dem EU-Land und dem britischen Überseegebiet. Der Abbau des im Jahr 1908 errichteten, symbolträchtigen und etwa einen Kilometer langen Metallzaunes soll schon diese Woche beginnen.
Der spanische Aussenminister José Manuel Albares sprach von einem «historischen» Ereignis. Erstmals nach drei Jahrhunderten würden sich beide Seiten «die Hände reichen», sagte der Minister der linken Regierung mit Blick auf die Inbesitznahme Gibraltars durch Grossbritannien im Jahr 1704.
Möglich wurde der Schritt durch das im Februar vereinbarte Abkommen zwischen der Europäischen Union und Grossbritannien, das am Mittwoch in Kraft trat. Ab sofort sollen Personen und Waren den Landübergang ohne die bisherigen Kontrollen passieren können. Gibraltar soll dafür eng an den Schengen-Raum und an neue Zollregelungen mit der EU angebunden werden. Passkontrollen wird es nur auf dem Flughafen und dem Hafen Gibraltars geben.
Wartezeiten von mehreren Stunden
Von den Änderungen profitieren vor allem die mehr als 15.000 Grenzpendler, die täglich zwischen der strukturschwachen spanischen Stadt La Línea de la Concepción in der andalusischen Provinz Cádiz und Gibraltar unterwegs sind, um vor allem dort zu arbeiten. Sie mussten häufig, vor allem in der Hauptverkehrszeit, lange Wartezeiten an der Grenze in Kauf nehmen. Das Abkommen soll zudem die wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Region erleichtern.
Die spanische Arzthelferin Consuelo, die die Grenze seit 30 Jahren passiert und in Gibraltar arbeitet, ist sehr glücklich: «Ich musste schon mal drei, vier Stunden warten, an manchen Tagen sogar länger, bis zu sieben Stunden. Die Tortur hat endlich ein Ende», erzählte sie im TV-Sender RTVE.
Der Streit um die Souveränität geht weiter
Paradoxerweise ebnete ausgerechnet der Brexit den Weg für das Abkommen. Obwohl sich beim Referendum 2016 rund 96 Prozent der 34.000 Einwohner Gibraltars für einen Verbleib in der EU ausgesprochen hatten, musste das britische Überseegebiet die Union gemeinsam mit Grossbritannien verlassen.