«Einen Schritt aufeinander zugehen»
In Saas aufgewachsen absolvierte Hans Ueli Wehrli nach der Schule eine kaufmännische Lehre auf der Gemeinde Ma-
lans. Er blieb anschliessend noch vier Jahre dort und schloss dann an der höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschule in Chur die Ausbildung zum Betriebsökonom ab. Seit 1998 ist er in der Wirtschaftsprüfung tätig. «Das ist sehr zahlenlastig», erklärt er, «aber auch sehr faszinierend, weil wir in einem breiten Spektrum in viele Branchen sehen, von klein bis gross, und oft mehr von den Betrieben sehen als deren Angestellte. Das Revidieren bei den Gemeinden interessiert mich natürlich,und so habe ich die Gemeinden von allen Seiten kennengelernt», sagt er und ergänzt: «Ich bin ein Zahlenmensch, aber Revision ist viel mehr als nur Zahlen.» Doch auch in seiner Branche herrscht Personalmangel: «Ich weiss bald niemand mehr, der dieses Problem nicht hat», bedauert er.
Neben seinem Job unterrichtet Hans Ueli Wehrli an der Fachhochschule Graubünden und der ibW (Höhere Fachschule Südostschweiz): «Das gibt einen gewissen Ausgleich zu der Arbeit.»
Die Geissen
Etwas ganz anderem widmet sich Hans Ueli Wehrli in seiner Freizeit, nämlich seinen Geissen, genauer gesagt der Bündner Strahlenziege: «Es ist eine gefährdete Rasse, die ich züchte», erzählt er, wobei man ihm die Leidenschaft anmerkt, «ich habe alles reinrassige Tiere.» So gut wie in diesem Jahr konnte er mit ihnen noch nie punkten an der Beständeschau in Lunden.
Die Geissen begleiten Hans Ueli Wehrli schon seit ganzes Leben. Als Bub half er seinem Götti, der ebenfalls Geissen hielt, beim Heuen. 1995 schaffte er sich mithilfe seiner Eltern selber die ersten Tiere an. Ihm ist wichtig, dass die Tiere auf der Alp Falla gesömmert werden können: «Das tut den Tieren gut und gibt einem ausserdem etwas Freiheiten.» Seit über 15 Jahren ist Wehrli Kassier der Ziegenalp Falla und seit einigen Jahren Präsident des Ziegenzuchtverbandes Graubünden.
Wie bei anderen Nutztieren auch ist die Bedrohung durch den Wolf allgegenwärtig: «Heuer gibt es einen schwierigen Sommer», weiss Wehrli jedenfalls, der Mitglied der «Fachkommission Grossraubtiere» des Bündner Bauernverbandes sowie der «Kerngruppe Wolf» der Gemeinde Klosters ist. Für ihn ist es ganz klar, dass es eine massive Lockerung bei den Bewilligungen für Abschüsse braucht – auch für präventive.Er sieht ein grosses Problem bei der Einpferchung der Tiere: «Weil die Tiere sich so auf engem Raum bewegen, nimmt deren Verwurmung massiv zu, was für die Tiergesundheit wieder sehr schädlich ist.
Vom Präsident zum Rat
Der Schritt von der Exekutive zur Legislative, als ehemaliger Gemeindepräsident von Sass zum Gemeinderat, hat sich für Hans Ueli Wehrli «einfach so ergeben: Umgekehrt ist üblicher und einfacher», lächelt er, «aber es schadet grundsätzlich nicht, und immerhin bin ich jemand, der die Situation von vorher noch kennt». Er versucht auch darum, die Sicht seiner Fraktion aufzuzeigen: «Ich versuche, das auf konstruktive Art einzubringen und nicht unter der Gürtellinie.» Für ihn ist es klar, dass alle einen Schritt aufeinander zu machen sollten.
Gross auf dem Magen liegt Wehrli die Situation bei den Auszonungen: «Alle versuchen, so wenig wie möglich dran geben zu müssen», sagt er, «doch auch hier sollen die Fraktionen gleich behandelt werden. Dass es nicht angeht, das Bauland zu horten, damit bin ich einverstanden, aber wir müssen den Leuten die Chance geben, noch zu bauen, sonst werden wir eine massiv grössere Abwanderung von Einwohnern haben.» Als problematisch erachtet er die grosse Anzahl von derzeit blockierten Baugesuchen wegen der Planungszone.