Eine St. Galler Stadtheilige zwischen Ikone und Projektionsfläche
«Man sollte sich solcher Figuren wie Wiborada bedienen»
Zum Jubiläumsjahr 2026 rückt die St. Galler Märtyrerin Wiborada ins Zentrum – als historische Figur und Projektionsfläche zugleich. Pfarrer Tim Mahle erklärt, warum die erste von Rom heiliggesprochene Frau bis heute polarisiert und was moderne Gesellschaften von ihrem radikalen Lebensentwurf lernen können.
Wiborada polarisiere, sagt Tim Mahle bei einem Besuch von Keystone-SDA in der Klause in St. Mangen, wo am 2. Mai zum 1100. Todestag der Stadtheiligen ein Fest stattfindet. Die einen fänden es verrückt, dass sich die – 1047 als Erste von der katholischen Kirche heiliggesprochene Frau – als «Inklusin» in eine Zelle bei der Kirche St. Mangen in der Stadt St. Gallen habe einmauern lassen, andere verehrten sie, sagt er.
Der 43-jährige Mahle ist reformierter Pfarrer in der Kirchgemeinde St. Gallen West/Straubenzell sowie bei der Cityseelsorge «Reformiert Mittendrin» und Mitglied der Projektgruppe «Wiborada Jubiläum 926 – 2026». Im Gespräch sagt er, wieso es zum Jubiläumsjahr einen Verein brauchte und weshalb die im Jahre 926 verstorbene Wiborada zur Ikone wurde.
Für das Wiborada-Jubiläum wurde ein Projektverein gegründet. Wie kam es dazu?
Dass man das Jubiläumsjahr mit Veranstaltungsprojekten prägen möchte, war seit längerem klar. Der Verein wurde letztes Jahr gegründet, damit eine Gruppe von Personen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft und der Stadt die Feierlichkeiten vorantreibt. Dabei ging es ein Stück weit auch darum, Gelder zu akquirieren. So ein Jubiläumsjahr braucht ja immer finanzielle Ressourcen. Für viele Unterstützer war es wichtig, dass das Ganze keine ausschliesslich kirchliche Prägung hat, sondern generell in die Gesellschaft ausstrahlt und stadtgeschichtlich bedeutsam ist.
Es gibt ein Wiborada-Bier, Wiborada- Lehrmittel, einen Wiborada-Rundgang, T-Shirts Bücher.
Ja, genau. Ausserdem gibt es zum Beispiel ein Buch für Kinder, in dem Wiboradas Geschichte kindgerecht erklärt wird. Am Fest wird Wiborada-Glacé mit Fenchelgeschmack verkauft.