Eine faszinierende Begegnung zweier künstlerischer Universen
«Eurotrash» der deutschen Regisseurin Frauke Finsterwalder feierte am Mittwoch am Zurich Film Festival Weltpremiere. Das Drehbuch schrieb sie gemeinsam mit ihrem Lebenspartner, dem Schweizer Autor Christian Kracht, auf Grundlage seines gleichnamigen Erfolgsromans.
Im Roman «Eurotrash» fährt ein Ich-Erzähler namens Christian Kracht mit seiner psychotischen und suchtkranken Mutter durch die Schweiz, um das Geld und vielleicht auch einen Teil der Schuld der Familie loszuwerden. Mit einiger Selbstironie kokettiert der Autor Kracht mit dem eigenen öffentlichen Bild, referiert auf Kollegen und Texte, und macht das Erzählen selbst zum zentralen Element. Seit dem Erscheinen vor rund fünf Jahren wurde der Roman mehrfach als Theaterstück adaptiert, bald auch in London, unter anderem mit dem Schauspieler Ben Whishaw. Die Verfilmung hat der Autor wenig überraschend Frauke Finsterwalder anvertraut.
In ihrer Adaption eignet sich Finsterwalder die Vorlage an. Sie wollte nicht einfach den Roman bebildern oder filmisch nacherzählen. Als Erstes habe sie die Hauptfiguren umbenannt: Aus Christian Kracht wird Philipp, die Mutter heisst neu Helene und der Plot ist auf die Mutter-Sohn-Dynamik fokussiert. Mit den beiden unterwegs ist eine Fahrerfigur, die im Roman wenig Kontur braucht, im Film aber stets im Bild ist. Hier ergänzte Finsterwalder Dialog und Dimension und lässt eine grossartige Luna Wedler aussprechen, was zwischen Mutter und Sohn unausgesprochen bleibt: die Einsamkeit der Mutter und ihre Angst vor dem Sterben.
Oberfläche und Abgründe
Bevor die Mutter (gespielt von Barbara Sukowa) selbst zu Wort kommt, begegnen wir Philipp (Alexander Fehling) in ihrer Wohnung: eingerichtet in Mattrosa und Lila, mit viel Teppich, Spuren von Alkohol, Medikamenten und Blut. Hier ist alles durchdesignt und teuer, auch einengend, denn es gibt wenig Licht, und das lässt eine grosse, eigensinnige Persönlichkeit erahnen. «Das ist Mamma», unterstreicht das Voiceover, und: «Manchmal wünsche ich mir, sie wäre tot.» Philipp selbst sei zwischen den psychotischen Schüben der Mutter und der emotionalen Kälte des Vaters «ein halbwegs normaler Mensch geworden», wobei es in dieser Familie «eigentlich immer nur ums Geld» ging.