«Einander Verständnis entgegenbringen»
Nachdem Johannes Kasper, in Klosters Dorf aufgewachsen, an der Schweizerischen Alpinen Mittelschule die Matura abgeschlossen hatte, studierte er an der Uni St. Gallen Recht. In Chur erwarb er das Anwaltspatent. Danach arbeitete er in einem Treuhandbüro in Luzern, anschliessend war er bei der Kantonalen Steuerverwaltung in Schwyz tätig, wo er vor allem Steuerstraffälle und Einspracheverfahren bearbeitete. Gleich in seiner ersten Woche in Luzern lernte er übrigens seine heutige Ehefrau Lea kennen.
Bald stand Johannes vor der Frage, ob er seine Karriere im Unterland weiter verfolgen oder doch nach Klosters zurückkehren will. Er hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zur Familie und seinen Freunden in Klosters und verbrachte auch während seiner Zeit in der Innerschweiz beinahe jedes Wochenende in Klosters. Den Ausschlag gab schliesslich die Tatsache, dass sein Bruder Andreas, dipl. Treuhandexperte, der unter anderem. als Revisor bei der kantonalen Steuerverwaltung in Zürich arbeitete, ebenso die Heimkehr nach Klosters erwog. Glücklicherweise war Lea bereit, mit Johannes nach Klosters zu ziehen, und eröffnete sich für sie, ebenfalls Rechtsanwältin, die Möglichkeit, eine Stelle als Gerichtsschreiberin anzutreten.
Kommunalpolitik als Traum
Die beiden Kasper-Brüder haben mittlerweile das Geschäft von Vater Stephan übernommen, der aber zu ihrem Glück immer noch oft im Büro anzutreffen ist. Johannes schätzt den persönlichen und unkomplizierten Umgang mit der vielfältigen nationalen und internationalen Kundschaft nach wie vor sehr.
Johannes Kasper erzählt, das Interesse an der Kommunalpolitik sei bei ihm schon immer da gewesen: «Ich habe die lokalpolitischen Themen immer verfolgt und es war fast ein Traum von mir, mich darin zu engagieren. Wenn ich schon hier wohne, will ich auch politisch aktiv sein und versuchen, mein Bestes zur Gestaltung unserer schönen Gemeinde beizutragen.» Der Gang zur FDP liegt bei ihm quasi in der Familie, oder? «Sie steht mir tendenziell am nächsten, da ich sehr liberal eingestellt bin», erklärt er, «ich bin grundsätzlich gegen jede Überregulierung».
Johannes Kasper fände es schön, wenn der Gemeinderat noch vielfältiger wäre: «So fehlen leider Vertreter von gewichtigen Anspruchsgruppen und weiteren politischen Meinungen. Eine Mehrheit einer Partei würde jedenfalls der politischen Diskussion schaden.» Bezahlbarer Wohnraum, sei es für Junge oder für Menschen im dritten Lebensabschnitt, ist aber auch sein Thema: «Das ist Grundvoraussetzung und Fundament für ein funktionierendes Dorfleben, welches Klosters in allen Fraktionen auszeichnet.»
Klosters schätzt er nicht nur als hübschen Arbeits- und Ferienort, sondern auch der Kultur wegen: «Im Rahmen von Klosters Music treten auch diesen Sommer wieder weltbekannte Künstler und Künstlerinnen mit einem attraktiven Programm auf und die Weihnachtskonzerte sind seit vielen Jahren ein Highlight der Adventszeit. Beides sind wahnsinnig schöne Anlässe. Zahlreiche Personen setzen sich mit extrem grossem Engagement und Freude dafür ein. Auch im Kulturschuppen und bei diversen weiteren Anlässen wird sehr viel angeboten.»
Alpwirtschaft hat Tradition
Sorge bereitet ihm aktuell die Thematik rund um die Grossraubtiere. Johannes Kasper versteht das Unbehagen der Alpbestosser. «Die alpine Landwirtschaftschaft hat eine grosse wirtschaftliche Bedeutung für die Produzenten», erklärt er, «Alpprodukte erfreuen sich grosser Beliebtheit. Zudem ist sie auch eine Tradition, schützenswertes Kulturgut und erhält uns die schönen Alpen. Der Wolf ist gekommen, um zu bleiben, dies ist wohl ein Fakt. Eine Bestandesregulation von Problemwölfen ist jedoch unumgänglich, was ebenfalls grossmehrheitlich erkannt ist. Die Natur wird vielfältig genutzt, vom Tourismus, der Land- und Forstwirtschaft, der Jagd und Fischerei, und auch für die Freizeit. Aber schliesslich wollen doch alle dasselbe», sagt Johannes Kasper, «nämlich die Ressourcen in nachhaltiger Weise nutzen und die Natur auch künftigen Generationen zu erhalten». Die Meinungen zu diesem Thema seien vielfältig, einige wollen die Wölfe ganz weg haben, andere diese uneingeschränkt schützen: «Hier müsste sich jeder etwas zurücknehmen. Man sollte einander mehr Verständnis für die jeweilige Position entgegenbringen, dann könnte die Problematik besser und sachlicher gelöst werden.»