Ein trauriger Abend für die Fussball-Romantik
Der FC Winterthur, diese sympathische Antithese im modernen Fussballgeschäft, steigt nach vier Jahren Super League wieder ab. Er tut dies mit Stil und Anstand, aber auch nach der sportlichen Logik.
Es passt, dass Winterthur ausgerechnet auswärts gegen den Rekordmeister GC absteigt. Eine Runde vor Schluss besiegelt das 2:3 in Zürich, was sich schon länger abgezeichnet hatte. Die Szenen, die sich anschliessend im Letzigrund abspielen, illustrieren vortrefflich, warum viele den Abstieg des FCW aus der Super League bedauern.
Die weit über 2000 Fans aus Winterthur applaudieren ihren Spielern, spenden Trost und schenken ihnen sogar Schals als Zeichen der Wertschätzung. Wie anders waren die Bilder nach dem Ausscheiden von GC im Cup-Halbfinal in Lausanne, als die eigenen Anhänger auf dem Platz randalierten und sogar den Teambus attackierten. Aus Angst vor weiteren Ausschreitungen wollte auch keiner der möglichen Barrage-Teilnehmer Vaduz oder Aarau das Rückspiel im eigenen Stadion haben.
In einer Saison, in der sich die Fussball-Romantiker über den sensationellen Meistertitel des Aufsteigers Thun freuen, verlässt am anderen Ende der Tabelle der andere Wohlfühl- und Nostalgieklub die Elite des Schweizer Fussballs wieder. «Man hört es immer wieder: Wir werden der Liga fehlen», sagt ein emotionaler Cheftrainer Patrick Rahmen nach dem Spiel im Letzigrund im TV-Interview mit «Blue».
Eine desaströse Saison
Sportlich stimmt das nicht. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache und sind desaströs. Winterthur war, das ist die harte Realität, schlicht nicht gut genug für die Super League. Die Konkurrenz, namentlich die Kantonsrivalen GC und FCZ, patzte noch und noch und öffnete die Türe für ein Comeback der Winterthurer immer wieder. Im Gegensatz zur letzten Saison konnten diese die Offerten aber nicht annehmen. In 37 Spielen schossen sie mickrige 44 Tore, kassierten aber deren 97 und kamen nur zu fünf Siegen. Mit einer solchen Bilanz ist der Abstieg unvermeidlich.
Der Dienstagabend ist noch einmal ein Spiegelbild der Unzulänglichkeiten. Fast wie die Jungfrau zum Kind kommt Winterthur in den ersten zehn Minuten zu einer 2:0-Führung. Mit einem Sieg wäre man vor der letzten Runde bis auf einen Punkt an GC herangekommen und hätte sich noch Hoffnungen auf den Barrage-Platz machen können. Das Heimteam agiert erschreckend hilflos, doch dann bekommen sie zwischen der 60. und der 70. Minute auf dilettantische Art drei Treffer praktisch geschenkt. Zu null spielte Winterthur in dieser Saison gar nie.