Ein Nicht-Tor und überbordende Emotionen
Die Emotionen überborden in Davos bereits im ersten Playoff-Finalspiel. Im Mittelpunkt: der vermeintliche Ausgleich 91 Sekunden vor Schluss, ein pöbelnder Fan und ein Frustfoul von Brendan Lemieux.
Die beiden Davoser Tore innert zwölf Sekunden vom 0:3 zum 2:3 gut zehn Minuten vor Schluss läuten im Davoser Hockeytempel eine hektische Schlussphase ein. Richtig heiss wird es 91 Sekunden vor dem Ende. Das zuletzt geläuterte – oder so dachte man – HCD-Rauhbein Brendan Lemieux haut den Puck nach einem Durcheinander vor dem Freiburger Tor zum 3:3 in die Maschen. Oder doch nicht?
Die beiden Schiedsrichter, der Finne Mikko Kaukokari und der Berner Cedric Borga, schauen sich die Szene an, jedoch anscheinend nur, ob der Puck über der Linie war. Das war er eigentlich für alle ersichtlich klar und eindeutig. Auf der Tribüne nutzt der Freiburger Goalietrainer David Aebischer die Zeit zum eigenen Videostudium. Er kommt zum Schluss, dass Goalie Reto Berra eindeutig vom Davoser Matej Stransky unrechtmässig gestört wurde – und teilt dies seinem Coach Roger Rönnberg mit. Dieser entscheidet sich zur Coaches' Challenge.
Rönnbergs Poker geht auf
Ein grosses Risiko, auch wenn er findet, die Sache sei «doch recht eindeutig» gewesen. Der Schwede weiss auch, dass die Entscheide in Sachen Goaliebehinderung oft ein wenig Glückssache und nicht immer nachvollziehbar sind – und wenn er nicht Recht erhält, steht es 3:3 und der HC Davos spielt die restlichen 91 Sekunden und allenfalls den Beginn der Verlängerung in Überzahl.
Nervös ist Rönnberg denn auch trotz seiner Überzeugung, wie er später zugibt. «Das war wie nach der Fahrprüfung», meint er über das bange Warten und schmunzelt erleichtert. «Wenn man darauf wartet, ob man bestanden hat.» Das Ende ist bekannt, Kaukokari und Borga annullieren den Treffer, Fribourg gelingt mit 3:2 das Break.
Der Ausraster von Lemieux
Ein Fan goutiert den Entscheid überhaupt nicht und versucht, die Freiburger Spielerbank zu attackieren. Er wird am Ende aus der Halle geführt. Auch Lemieux leistet sich drei (!) Sekunden vor der Schlusssirene und in aussichtsloser Situation noch ein übles Frustfoul am Gottéron-Leistungsträger Christoph Bertschy. Er erhält folgerichtig eine Matchstrafe. Mysports-Experte Sven Helfenstein fordert danach eine Sperre und auch Gottéron reicht einen «Club Request» beim Einzelrichter ein. Dieser entscheidet am Sonntag aber, den Spieler nicht zu bestrafen.