Ein Job, bei dem es um mehr als lodernde Feuer geht
Wetterextreme gehören schon fast zum Tagesgeschäft der Feuerwehrkorps. Überschwemmungen, Waldbrände, Rüfen, Felsstürze und Waldbrände, immer sind die Schadensexpertinnen und Schadensexperten vor Ort. Ihr professioneller Einsatz ist in jedem Fall enorm wichtig und wird auch hoch geschätzt. Nur sind die Feuerwehrleute freiwillig mit dabei. Die Schweiz, darunter auch Graubünden, kennt mit wenigen Ausnahmen nur das Milizsystem. Zwar sind laut Feuerwehrgesetz Frauen und Männer in ihrer Wohnsitzgemeinde feuerwehrpflichtig. Wer dieser Pflicht aber nicht nachkommt, zahlt eine sogenannte Pflichtersatzabgabe. Diese kann von der Gemeinde festgelegt werden und liegt zwischen 100 und 500 Franken im Jahr.
Bei den Unwettern vor zwei Wochen kam Graubünden glimpflich davon. Tief Berndt mit endlosem Regen, Sturm, Hagel und Überschwemmungen im Gepäck traf andere Kantone. Beispielsweise Bern, Zürich oder die Zentralschweiz. Vor Ort war immer auch die Feuerwehr. Im Zuge dieser Unwetter-Berichterstattung schrieb die «Neue Zürcher Zeitung»: Die Feuerwehrkorps würden den Klimawandel spüren, «Extreme Wetterereignisse dürften sich in Zukunft häufen. Gleichzeitig sinken die Mitgliederzahlen.» Gemeint sind die Mitgliederzahlen der freiwilligen Feuerwehren. Urs Bächtold, Direktor des Schweizerischen Feuerwehrverbandes und freiwilliger Feuerwehrmann in Thun, sagte zur «NZZ»: «Die Ereignisse summieren sich.» Sie würden die Arbeit ja nur nebenbei machen. «Wenn wir ausrücken, haben wir oft schon acht, neun, zehn Stunden im normalen Job gearbeitet.»
Gesellschaftlicher Aspekt
Conradin Caduff ist Feuerwehrinspektor des Kantons Graubünden. Über sinkende Mitgliederzahlen bei den Bündner Feuerwehren mag er sich nicht beklagen. Auch weil die Bestände in den letzten Jahren aufgrund von Feuerwehrfusionen und technisch besseren Geräten massiv abgebaut werden konnten. Er stellt aber klar, «Akut haben wir keine Not an Leuten, längerfristig könnte es aber durchaus problematisch werden.» Caduff erklärt, dass es in abgelegeneren Regionen schwieriger sei, Nachwuchs zu akquirieren als in grösseren Orten. «Die Jungen wandern ab, weil sie in ihrer Heimat keine Arbeit finden.» Sicher gebe es nach dem Umzug auch die Möglichkeit, am neuen Ort der Feuerwehr beizutreten. «Die Organisation bietet aber auch einen gesellschaftlichen Aspekt, wo man aufgewachsen ist, kennt man sich, am neuen Ort herrscht nicht die gleiche Verbundenheit.»