Ein filmisches Gegengift namens Hoffnung
Der Schweizer Unternehmer und Regisseur Ruedi Gerber hat seiner Wahlheimat, dem toskanischen Dorf Tatti, eine filmische Liebeserklärung gemacht. Sein Film «Tatti, paese di sognatori» lässt wieder an die Gemeinschaft glauben.
Gegen Ende der 1990er-Jahre verspürte der Bewegungstherapeut, Schauspieler und Filmemacher Ruedi Gerber einen Wunsch, den viele wohl ähnlich empfinden, wenige aber nur in der Lage sind, ihn sich zu erfüllen. Es ist der Wunsch des Städters, «diesem Chaos» zu entfliehen und einen ruhigen, entlegenen Ort zu finden, «wo man bis zum Ende der Welt sehen kann».
Ruedi Gerber fand ihn – per Zufall, wie er sagt – 200 Kilometer nördlich von Rom, in einem kleinen toskanischen Dörfchen namens Tatti, wo er sich schliesslich ein schönes, wenn auch damals noch etwas verlottertes Haus auf dem mehr oder weniger verwilderten Landgut Sequerciani kaufte.
Einen Ort zu haben, von dem man sagen kann: «Hier will ich bleiben.» Das sei etwas, das er jedem Menschen wünschen würde. Dies sagt er heute, dreissig Jahre nach seiner Ankunft im Dorf, anlässlich einer Präsentation seines Filmes «Tatti, paese di sognatori», den er dem Dorf und seinen Menschen gewidmet hat.
Ob sich dieser nun besser als Dokumentarfilm oder als Liebeserklärung beschreiben lässt, und ob sich diese Dinge überhaupt ausschliessen, ist wahrscheinlich gar nicht so wichtig – zumindest wenn man nicht allzu zynisch veranlagt ist. «L'amore è fondamentale», heisst es einmal, und was gibt es in einem Film Schöneres, als jeder einzelnen Einstellung die Liebe desjenigen anzusehen, der ihn gemacht hat, für jene, die er porträtiert.
Die Menschen von Tatti
Da ist Filippo, der Hausverwalter von Sequerciani, der damals gleich gemerkt habe, dass Gerber «normal» sei – also kein Drogensüchtiger oder sonstig böser Mensch. Da täusche er sich selten. Da ist auch Celestina, die die ganzen schönen und tragischen Geschichten des Dorfes kennt und gerne von ihrem Fenster aus alte Lieder singt. Und da sind insbesondere die letzten Bauern des Dorfes, die Zwillingsbrüder Marco und Massimo. Wer im Dorf von der Strasse abkomme oder sonst irgendein Problem habe, rufe keinen Schlepper, sondern eben – zu jeder Tages- und Nachtzeit – die «gemelli».