Ein Film für Black-Metal-Fans und alle, die ihn fürchten
«Wolves» von Jonas Ulrich ist eine faszinierende Reise in die Welt des Black Metal. Der Film besticht durch seinen authentischen Blick auf ein Milieu, in dem die Grenzen zwischen Licht und Schatten oft fliessend verlaufen.
Ob ihnen das Geschrei noch nicht verleidet sei, wundert sich der Vater (Thomas Ott). Seine Tattoos zeugen zwar von eigenen wilden Zeiten, aber mit der Vorliebe seiner Tochter Luana (Selma Kopp) für die rohen, monotonen Gitarrenriffs und den gutturalen Schreigesang des Black Metal kann er nicht viel anfangen. Sorgen um Luana macht er sich allerdings erst, als es schon fast zu spät ist.
Die Szene stammt aus «Wolves», dem ersten langen Spielfilm von Jonas Ulrich, der am Donnerstag in die Deutschschweizer Kinos kommt. Hat er keine Angst gehabt, mit dem gewählten Setting das Publikum abzuschrecken? Also nicht nur mit der für Nichteingeweihte eher unzugänglichen Musik, sondern auch mit der Nähe zum Rechtsextremismus, die man mit Black Metal oft verbindet? «Ich habe da ein gewisses Grundvertrauen in das Publikum», sagt Ulrich im Gespräch mit Keystone-SDA.
Dieses interessiere sich durchaus für spezielle Geschichten und für Welten, die es aus dem eigenen Leben noch nicht kennt. «Es gibt ja viele Anknüpfungspunkte», ergänzt er, etwa mit anderen Subkulturen oder mit Verhaltensmustern, mit denen man sich auch identifizieren könne, wenn man nicht die gleiche Musik hört. Im Team wurden solche Diskussionen aber natürlich geführt. Etwa, wie lange die Konzertszenen sein dürfen, «damit es nicht too much ist».
Eine junge Frau im Sog des Metal
Was Ulrich und seinem Team auf alle Fälle hervorragend gelungen ist: glaubwürdig zu vermitteln, welche Faszination diese Welt samt zugehörigem Gemeinschaftsgefühl auf eine junge Frau wie Luana ausüben kann. Sie verbringt ihre Zeit lieber im Wald als mit ihren voneinander getrennten Eltern. Oder aber im Übungskeller der Black-Metal-Band WLVS, in der ihr Cousin Domi (Fabian Künzli) Schlagzeug spielt.
So ist Luana dabei, als Wiktor (Bartosz Bielenia) aus Polen als neuer Sänger zur Band stösst, dessen Oberkörper mit mysteriösen Tattoos überzogen ist und hinter dessen intensiven blauen Augen Geheimnisse lauern. Mit dem nur halb gelogenen Argument, dass ihr Vater todkrank sei, bekommt Luana von der Kita, in der sie arbeitet, eine Woche frei, um die Band auf ihrer kleinen Schweiz-Tour als Fotografin und Social-Media-Managerin zu unterstützen.