Drohnen kämpfen am Bodensee gegen Nachwuchs der Kormorane
Am Bodensee sind Drohnen eingesetzt worden, um die Vermehrung von Kormoranen einzudämmen. Damit sollen die bedrohten Fischarten besser vor dem gefrässigen Vogel geschützt werden. Es ist ein Pilotprojekt der Behörden aus Baden-Württemberg. Auch die Kantone St. Gallen und Thurgau sind involviert.
300 Tonnen vertilgen die Kormorane gemäss Berufsfischern jährlich aus dem Bodensee. Auf dem Speiseplan der Vögel stehen auch Äschen und Felchen, die aufgrund ihrer besorgniserregend tiefen Bestände von den Fischern nicht mehr gefangen werden dürfen.
Rund um den Bodensee spannen die Behörden zusammen, um die Fische vor zu vielen hungrigen Kormoranen zu schützen. Eine ungewöhnliche Massnahme setzte im April das Bundesland Baden-Württemberg um.
Von einem Schiff aus liessen Mitarbeitende des Agrarministeriums vor der Halbinsel Mettnau (D) eine Drohne zu den Baumkronen am Seeufer aufsteigen, wo Kormorane ihre Nester haben. So wurden die Eier der schwarzen Vögel mit Öl benetzt. «Diese Behandlung soll die weitere Entwicklung der Eier unterbinden und so den Bruterfolg des Kormorans am Bodensee eindämmen sowie in der Folge den Frassdruck auf gefährdete Fischarten durch weniger Kormorane senken», schrieb das Ministerium für Ernährung des Bundeslandes Baden-Württemberg in einer Mitteilung.
Derzeit werden die Testflüge analysiert und die Ergebnisse ausgewertet. Später soll entschieden werden, ob weitere Drohnenflüge in grösseren Kormorankolonien durchgeführt werden.
Politik will Kormoran bejagen
Auch die Kantone Thurgau und St. Gallen sind am länderübergreifenden Projekt «Fischartenschutz und Kormoranmanagement am Bodensee» beteiligt. Es gelte vorerst, die Erkenntnisse aus dem Drohneneinsatz auszuwerten, bevor über das weitere Vorgehen entschieden werden könne, sagt Stefan Eglauf, Leiter des Thurgauer Amts für Jagd und Fischerei, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Im Thurgau geriet der Kormoran bereits ins Fadenkreuz der Politik. Im Januar überwies der Grosse Rat eine Motion zur Regulierung der Bestände. Derzeit seien Abschüsse von Kormoranen nur äusserst zurückhaltend erlaubt, kritisierten mehrere Parlamentarier. Deshalb soll der Kanton eine gesetzliche Grundlage schaffen, um die Kormoranbestände effizient zu regulieren.