Drohende Energiekrise: Der Kanton will reagieren
Die Schweiz könnte auf eine Energiemangellage zurasen. Ereignisse wie der Ukrainekrieg, AKW-Ausfälle sowie die Trockenheit haben die Wahrscheinlichkeit dazu erhöht, wie die Bündner Standeskanzlei am Donnerstag mitteilt. Längere Lieferengpässe könnten die Lage zusätzlich verschärfen und Energie müsste kontingentiert werden. «Ein solches Szenario gilt es unbedingt zu verhindern», heisst es in der Mitteilung.
Deshalb und auch aufgrund der gestiegenen Energiepreise hätten zahlreiche Betriebe und Branchen ihre Energiesparpotenziale analysiert und Massnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs eingeleitet. Zusätzlich sensibilisiert der Bund mit der aktuellen Kampagne «Energie ist knapp. Verschwenden wir sie nicht» Bevölkerung und Unternehmen für diese Problematik. Die Kampagne vermittele konkrete und leicht umsetzbare Sparmassnahmen, die in ihrer Gesamtheit zu einer Entschärfung der Lage beitragen und den Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen würden, Kosten einzusparen.
Kanton will seinen Beitrag leisten
Als grösste Arbeitgeberin in Graubünden habe die kantonale Verwaltung eine Vorbildfunktion und sie wolle diese wahrnehmen, heisst es in der Mitteilung weiter. Zu diesem Zweck hat die Regierung einen dreistufigen Massnahmenplan verabschiedet. Sie strebt für den kantonalen Gebäudepark eine Reduktion des gesamten Energieverbrauchs von mindestens 15 Prozent an. Gleichzeitig sollen mit dem noch energieeffizienteren Einsatz der Arbeits- und Mobilitätsmittel substanzielle weitere Einsparungen erzielt werden.
Die Massnahmen sollen dazu beitragen, die Auswirkungen einer allfälligen Energiemangellage für die Bevölkerung und namentlich auch für die Wirtschaft und den Tourismus zu entschärfen. Die von Bund und Kantonen empfohlenen Energiesparmassnahmen sollen jedoch auch von der breiten Bevölkerung und den Unternehmen solidarisch mitgetragen werden.
Drei Phasen
Um das Sparziel zu erreichen, hat der Kanton die drei Phasen «Reduzieren», «Minimieren» und «Optimieren» vorgesehen. In der ersten Phase sollen Raumtemperaturen auf maximal 20 Grad Celsius gesenkt werden, das Dimmen der Beleuchtung sowie die Nutzung der Lifte eingeschränkt werden. Dienstfahrten sollen begrenzt und physische Sitzungen nach Möglichkeit durch Online-Sitzungen ersetzt werden. Mitarbeitende werden zudem gebeten, den öffentlichen Verkehr oder das Velo zu nutzen. Um den Energieverbrauch in der kantonalen Verwaltung weiter zu senken, sollen die Mitarbeitenden öfters von zu Hause aus arbeiten.
In der zweiten Phase sollen dann Betriebs- und Öffnungszeiten der Büroräumlichkeiten eingeschränkt und Licht sowie Lüftung ausserhalb der Betriebszeiten vollständig abgeschaltet werden. Die Raumtemperatur von nur sporadisch genutzten Räumlichkeiten wird auf unter 18 Grad Celsius gesenkt.
Als dritter und letzter Schritt sei vorgesehen, einzelne Betriebe, Anlagen und Gebäude ausser Betrieb zu nehmen und in Leerstandswartung zu versetzen und die entsprechenden Arbeitsplätze an geeigneten Orten zusammenzuführen und weiter räumlich zu verdichten. Ausserdem werde in der dritten Phase die Einführung einer noch weitergehenden teilweisen oder teils vollständigen Homeoffice-Pflicht in Betracht gezogen. (red)