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Schweiz & Welt

Mehrere Felsstürze am wahrscheinlichsten

Davoser Zeitung
19.05.2023, 12:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Zeitung (Mittwochmittag) herrschte immer noch die Phase Rot (Betretungsverbot des bedrohten Gebietes).

Bis im vergangenen Spätherbst haben die Bewegungen nur im Bereich «Insel» markant zugenommen. Seit Anfang Jahr bewegt sich zunehmend auch die Basis der Insel. Die stützende Funktion der Basis für die darüberliegende Insel geht immer mehr verloren. Es droht ein «Versagen» der Basis. Als Folge davon dürfte die Insel ganz oder teilweise abrutschen oder abstürzen.

Bergsturz am wenigsten wahrscheinlich

Am wahrscheinlichsten ist das Abstürzen in mehreren oder vielen Felsstürzen aus einigen hundert bis einigen hunderttausend Kubikmetern Felsmaterial. Modellierungen zeigen, dass eine gute Chance besteht, dass solche Felsstürze das Dorf Brienz/Brinzauls lediglich am oberen Ende erreichen. Die Wahrscheinlichkeit für Felsstürze wird auf 60 Prozent geschätzt.

Halb so wahrscheinlich wie Felsstürze ist ein Abrutschen der Insel in einem Schuttstrom. Wie eine zähe Masse würde die Insel mit einem oder mehreren Metern pro Tag abrutschen. Abhängig davon, wie viel Material sich bewegt, kann ein Schuttstrom das Dorf oder auch die darunterliegenden Hänge erreichen und dabei grosse Schäden anrichten. Die Wahrscheinlichkeit für einen Schuttstrom liegt bei etwa 30 Prozent.

Der am wenigsten wahrscheinliche Prozess ist ein grosser Bergsturz. Er würde (abhängig von der Menge des Materials) das Dorf oder die Hänge darunter bis zur Albula erreichen. Die Schäden für das Dorf und die Umgebung wären sehr gravierend. Die Wahrscheinlichkeit für einen Bergsturz liegt bei zirka 10 Prozent.

Voraussagen werden mit der Zeit präziser

Welcher der drei Prozesse stattfinden wird, kann bis zum letzten Moment nicht vorausgesagt werden. Hingegen können die Experten aus den Messdaten der Überwachungssysteme herauslesen, wie viel Felsmasse abstürzen oder abgleiten wird. Diese Prognose wird immer genauer, je näher das Ereignis kommt.

Ebenfalls genauer wird die Voraussage über den Zeitpunkt des Ereignisses: Noch im April nahm man an, dass ein Abrutschen oder Abstürzen der Insel oder Teilen davon vermutlich zwischen dem Frühsommer und Ende dieses Jahres passieren wird. Aber: Je näher das Ereignis kommt, desto präziser wird eine Voraussage über dessen Zeitpunkt. (pd)

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