Djokovic mit einem Plädoyer für eine Revolution
Nach seinem mühevollen Erstrundensieg in Wimbledon hält Novak Djokovic ein flammendes Plädoyer für einen besseren Schutz der Gesundheit der Spieler und mehr Innovation im Tennissport.
Novak Djokovic ist genervt. Erst muss er lange warten, ehe er am Montagabend sein 21. Wimbledonturnier in Angriff nehmen kann, dann ist da ein kaum bekannter Chinese, der ihm das Leben schwer macht. Der Grand-Slam-Rekordchampion, der in Wimbledon noch nie in der 1. Runde verloren hat, tut sich schwer. Er war in einem eleganten, weissen Blazer auf den Platz gekommen, wie einst Roger Federer, doch leichtfüssig ist er diesmal nicht. Der Serbe rutscht sogar mehrere Male aus und geht einmal ziemlich unelegant und scheinbar schmerzhaft zu Boden.
Am Ende gewinnt er gegen Wu Yibing, die Nummer 102 der Welt, in vier Sätzen und hat kurz vor halb elf doch noch Feierabend. In der folgenden Medienkonferenz ist der Match allerdings kein Thema mehr. Vielmehr setzt Djokovic zu einem Plädoyer für eine Revolution des Tennissports an. Die erste Frage dreht sich um die zunehmende Anzahl an Verletzungen gerade auch bei jüngeren Spielern. So fehlen in Wimbledon unter anderen Carlos Alcaraz, Lorenzo Musetti oder Holger Rune. In einem langen Monolog teilt Djokovic seine Gedanken und Sorgen.
Zu viel Kommerz
«Das ist eine gute Frage, die Beobachtung zu den Verletzungen ist völlig korrekt», stellt er fest. Einen wichtigen Grund macht der siebenfache Wimbledon-Champion in der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports aus. Das habe eben auch Konsequenzen, die für die Spieler nicht gut seien.
Ein Dorn im Auge sind ihm insbesondere die auf zwölf Tage aufgeblähten Masters-1000-Turniere. «Kommerziell ist das eine gute Sache», so Djokovic. «Aber für wen? Nicht für die Spieler, sondern die Turnierbesitzer. Ja, sie investieren Geld in die Anlagen. Die Spieler profitieren davon zwei Wochen, sie das ganze Jahr.» Die zunehmenden Verletzungsprobleme hätten mit der wachsenden Belastung und den fehlenden Pausen zu tun. «Ich habe mich deshalb gegen den 30-Jahre-Deal mit den Turnieren gewehrt, aber vergeblich.»