Die urbane Berglerin als Vorbild
«Ich sage immer, ich bin eine urbane Berglerin», antwortet Carmelia Maissen auf die Frage hin, ob sie stark mit der Surselva verwurzelt sei. 15 Jahre lang hat die 41-Jährige in grösseren Städten wie Bern oder Zürich studiert, gearbeitet, gelebt. «Ein politisches Engagement konnte ich mir aber immer nur in der Surselva vorstellen», sagt die Gemeindepräsidentin von Ilanz/Glion, die auch Architektin mit Doktortitel, CVP-Grossrätin und Nationalratskandidatin ist. «Nur mit dieser Region fühle ich mich richtig verbunden.»
Im familiären Umfeld von Maissen wurde schon immer Politik betrieben. «Ich bin sozusagen damit aufgewachsen und habe mich sehr früh als Jugendliche dafür interessiert», so Maissen. Sie sei immer gefördert worden, vor allem von ihren Eltern. Auch als sie vor etwas mehr als 20 Jahren ihre erste politische Tat in der Planungskommission von der Gemeinde Sevgein verbrachte.
Auch das Alter birgt Vorurteile
Dass Menschen ihr als Frau in der Politik anders entgegentraten als ihrem männlichen Kollegen, das Gefühl habe sie damals als 20-Jährige nicht gehabt, meint Maissen. Mittlerweile sehe das jedoch anders aus. «In der jetzigen Situation, als einzige Gemeindepräsidentin in der Surselva, habe ich schon eine spezielle Rolle in diesem Umfeld.»
Mit Ilanz/Glion führt Maissen eine Gemeinde mit rund 4700 Einwohnern und rund 170 Angestellten*. «Ich habe tatsächlich schon die Erfahrung gemacht, dass Leute erstaunt waren, dass eine so grosse Gemeinde eine eher jüngere Frau als Gemeindepräsidentin hat», sagt Maissen. Da frage man sich: «Wieso ist die Person erstaunt? Sollte das nicht das Normalste der Welt sein?»