Die Schere in der Gastrobranche öffnet sich weiter
Die Arbeitslosenzahlen in der Gastrobranche in Graubünden sind hoch. Sehr hoch. Fast 20 Prozent aller momentan arbeitslosen Personen in Graubünden stammen aus dem Gastrobereich. Verantwortlich dafür ist einerseits die Saison, andererseits die Pandemie. «Bei den Köchen merken wir es am stärksten», erzählt Franz Sepp Caluori, Präsident von Gastro Graubünden. Corona drücke stark nach – viele Betriebe hätten nicht alle Angestellten behalten können.
Arbeitslose Personen nicht gesucht
Obwohl sich aktuell 181 Personen aus dem Gastrobereich in Graubünden arbeitslos gemeldet haben, finden viele Restaurants kein Personal. Wie kann das sein? Jörg Guyan vom Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden (Kiga) hat die Antwort: «Bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass die arbeitslos gemeldeten Personen aus dieser Branche grossmehrheitlich gering oder unqualifiziert sind. Die Gastrobetriebe hingegen suchen überwiegend qualifiziertes Personal wie Köche, Servicefachkräfte etc.»
Etwas milder drückt Wirt Riccardo Wolf von der Ustria «Posta Veglia» in Schluein die Situation aus: «Natürlich sind viele Personen aus der Gastrobranche als arbeitslos registriert. Fakt ist aber, dass das jene Personen sind, die sich aktuell beruflich umorientieren. Ihnen ist die Gastrobranche zu unsicher geworden.» Wie schwierig es ist, gutes Personal zu finden, hat Wolf erst kürzlich selbst erfahren müssen. «Ich habe lange nach einer Aushilfe gesucht. Erhalten habe ich eine einzige Bewerbung. Zum Glück haben wir diese Person dann gekriegt!» Das Kiga sei dabei nur bedingt eine Hilfe. «Ich melde meine offenen Stellen, es gibt ja die Stellenmeldepflicht. Das Kiga leitet mir dann Bewerbungen weiter von Personen, die rund drei Tage Erfahrung vorweisen können. Das Amt findet, das reiche. Das reicht für ein Restaurant aber meist nicht», führt Wolf aus. Dankbar sei er besonders für den Umstand, dass er aktuell niemanden für die Küche suchen müsse. «Wir stehen zu zweit in der Küche. Es ist sehr viel Arbeit, aber mein Mitarbeiter ist einfach spitze. Zum Glück. Einen qualifizierten Koch zu finden, wäre momentan schlicht unmöglich.»