Die passende Hypothek wählen
von Martin Gartmann, Leiter Privatkunden & Hypotheken bei der Graubündner Kantonalbank
Momentan kosten Geldmarkthypotheken bei guter Bonität und angemessener Belehnung weniger als ein Prozent. Aber ist kurz und billig auch wirklich gut? Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Geldmarkthypotheken ohne Zinsabsicherung sind so lange interessant, wie die Zinsen auf tiefem Niveau verharren. Spannend wird es, wenn die Zinsen steigen. Derzeit verdichten sich die Anzeichen, dass sie – unter anderem wegen der aufkeimenden Inflation – in naher Zukunft steigen könnten. Bereits jetzt ist ein Anstieg zu erkennen. Die Zinskurve wird steiler. Wie sich die Zinsen weiter entwickeln werden, ist schwierig vorherzusagen. Die momentan sehr unsichere geopolitische Lage kann die weitere Entwicklung ebenfalls stark beeinflussen.
Wann in Festhypothek umsteigen?
Die Erfahrungen zeigen: Es ist äusserst anspruchsvoll bis unmöglich, den idealen Zeitpunkt für den Umstieg in eine Festzinshypothek mit längerer Laufzeit zu treffen. Dies darum, weil ein Zinsanstieg vielfach rasch erfolgt und der Entscheid umzusteigen, viel Disziplin erfordert. Erschwerend kommt hinzu, dass die langfristigen Zinsen bei einem Anstieg oft früher nach oben tendieren als die für die Geldmarkthypothek relevanten kurzfristigen Zinsen. Dies ist auch aktuell der Fall und kann dazu führen, dass sich Besitzerinnen und Besitzer einer Geldmarkthypothek ohne Zinsabsicherung zu lange in Sicherheit wiegen. Dieser Umstand wird zurzeit durch die Negativzinssituation noch akzentuiert. Denn so lange der kurzfristige Basiszins im negativen Bereich verharrt, so lange werden die Zinsen der Geldmarkthypothek tief bleiben. Zusätzlich zu beachten ist, dass ein zu später Umstieg den Effekt der tiefen Zinsbelastung in der Vergangenheit auffressen kann. Die Zinsbelastung kann dann über alles gesehen sogar höher ausfallen, wenn man nicht schon früher, auf tiefem Niveau, eine Festzinshypothek abgeschlossen hat.