Die Ostschweizer Kantone wenden sich von Frühfranzösisch ab
Der Thurgauer Grosse Rat hat am Mittwoch in Frauenfeld eine Motion zur Abschaffung des Französischunterrichts an der Primarschule gutgeheissen. Dadurch soll die zweitmeist gesprochene Landessprache in allen Ostschweizer Kantonen künftig nur noch in der Oberstufe unterrichtet werden.
Das Thurgauer Parlament beauftragte die Regierung nach langer Diskussion mit 71 Ja- zu 48 Nein-Stimmen, eine gesetzliche Grundlage auszuarbeiten. Französisch soll künftig erst ab der Oberstufe unterrichtet werden – und nicht wie heute bereits ab der 5. Klasse.
Der Sprecher der Motionäre aus der Mitte/EVP-Fraktion sprach von einem «Millionenprojekt mit bescheidenem Erfolg». Lehrpersonen der Primarstufe würden längst darauf hinweisen, dass aufgrund der zahlreichen verlangten Kompetenzen im Lehrplan viele Themen nur oberflächlich behandelt werden könnten. Auch deshalb fielen die Französischkenntnisse der Schülerinnen und Schüler am Ende der Primarschulzeit oft nur bescheiden aus.
Ein Déjà-vu im Thurgau
Die Regierung lehnte die Motion ab. Es gehe nicht um irgendeine Fremdsprache, sondern um eine Landessprache, rief Bildungsdirektorin Denise Neuweiler (SVP) in Erinnerung. Die Willensnation gründe auch auf gegenseitigem Verständnis.
Obwohl sich zahlreiche Parlamentarierinnen und Parlamentarier für die Beibehaltung von Frühfranzösisch stark machten, fand die Motion eine Mehrheit. An diesem Punkt war die Thurgauer Politik bereits 2014. Damals löste der Parlamentsbeschluss jedoch ein landesweites Echo aus und sorgte für Unmut in der Romandie.
Daraufhin schaltete sich der damalige Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern, Bundesrat Alain Berset (SP), in die Diskussionen ein. Er äusserte sich klar ablehnend zu den Plänen. Unter grossem politischem Druck lehnte der Thurgauer Grosse Rat 2017 das Verschieben des Französischunterrichts schliesslich doch noch ab.
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