Die neue (Wohn-)Bescheidenheit
von Rebecca Omoregie, Vizedirektorin bei Wohnbaugenossenschaften Schweiz, Verband der gemeinnützigen Wohnbauträger
Lange bevor das Konzept der Suffizienz erfunden wurde, überlegten sich Wohnbaugenossenschaften, wie sie rationell und doch gut bauen können. Denn sie wollten möglichst preisgünstigen Wohnraum schaffen. Die Resultate dieser Bemühungen sieht man in den Wohnungen und Reihenhäusern aus den 1920er- und 30er-Jahren: Sie sind klein und bis in den letzten Winkel grundrissoptimiert.
Individuelle Wohnfläche reduzieren
Auch heute noch spielen Kostenüberlegungen beim genossenschaftlichen Wohnungsbau eine Rolle. Dazu kommen aber zunehmend auch ideelle Gründe: Unsere natürlichen Ressourcen sind begrenzt, und der knappe Platz muss besser genutzt werden. Dafür sorgen Wohnbaugenossenschaften indem sie beispielsweise den Wohnflächenverbrauch steuern – etwa mit Belegungsvorschriften. So liegt der durchschnittliche Verbrauch bei Genossenschaften bei 36 Quadratmetern pro Person. Das sind rund sechs Quadratmeter weniger als bei regulären Mietwohnungen und 16 Quadratmeter weniger als beim Wohneigentum.
Einige Genossenschaften wie z. B. die «Kalkbreite» in Zürich oder «zimmerfrei» in Basel gehen noch weiter und setzen Obergrenzen von 35 beziehungsweise 45 Quadratmetern pro Person. Im Gegenzug bieten sie attraktive gemeinschaftlich nutzbare Flächen und zumietbare Räume an.