Die Leute lassen die Finger vom Bargeld
Der Einkauf im Supermarkt, tatsächlich ein Erlebnis. Zu einer Trennwand gestapelte Coca-Cola-Flaschen kanalisieren die Kunden zu einer Mitarbeiterin in gelber Leuchtweste. Bitte eine Nummer ziehen. Hände desinfizieren. Wer möchte: Gemüsesäckli als Handschuhe, um nicht den Griff des Einkaufskorbes zu berühren. Lautsprecherdurchsage: «Liebe Kunden, zahlen Sie bitte wenn möglich mit Karte oder Smartphone. Geschätzte Kundinnen, halten Sie Abstand.»
Anstehen, Abstand halten. Die Menschen sind nett und schweigen sich ansonsten an. Einkauf auf das Förderband legen, wieder Abstand halten. Bezahlen, wenn möglich mit Karte oder dem Smartphone. An der Cola-Wand vorbei, Nummer abgeben. Nochmal Hände desinfizieren. Schönen Tag wünschen. Bleiben Sie gesund.
«Kommt problemlos an»
Die Coronakrise verändert unser Einkaufsverhalten. Die Grossen wie Migros und Coop bitten ihre Kunden schon länger, ohne Bargeld zu zahlen. Kleinere Läden sind nachgezogen – auch manche, die auf einen Lieferservice umgeschaltet haben. Etwa der Teebogen in Glarus. Hier heisst es: Bargeld unerwünscht. «Die Empfehlung auf Bargeld zu verzichten ging rum», sagt Inhaberin Margrit Häne. «Aber man hört ja mittlerweile auch anderes.» Wie dem auch sei: Vorsicht ist besser als Nachsicht, denkt sie sich. Das Ladenlokal hat sie von sich aus geschlossen. Die Kunden können ihren Tee bestellen und abholen oder liefern lassen.
Am Donnerstag arbeitete Häne die Bestellungen durch. Gerade noch jemand bezahlt bar. «Bei der Kundschaft kommt es problemlos an», sagt sie. Viele, die früher mit Münz und Note bezahlten, zückten in letzter Zeit sowieso von sich aus die Bankkarte.
Dass dem Geschäft bei jeder zusätzlichen Kartenzahlung Gebühren verrechnet werden, nimmt Häne in Kauf: «Damit muss man als Gewerbler umgehen können.» Die Massnahmen dienten schliesslich dem Schutz der Kunden und des Personals. «Es geht in beide Richtungen», sagt Häne. «Wir müssen jetzt alle am gleichen Strick ziehen.» Und was ist, wenn jemand nicht mit Karte bezahlen kann? «Ich schicke natürlich niemanden weg», sagt Häne. Aber eben: Lieber Kunde, bitte wenn möglich mit Karte bezahlen.