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Schweiz und Welt

Die Leistungsträger liefern, die zweite Garde muss nachlegen

Agentur sda
17.08.2026, 10:17 Uhr

Die Schweiz muss sich an der Langbahn-EM in Paris mit einer einzigen Medaille zufriedengeben. Die Bilanz von Swiss Aquatics fällt magerer aus als erhofft.

Dass sich der Erfolgstrend der letzten Jahre nicht ewig fortsetzen würde, war dem Schweizer Verband bewusst. Seit der EM 2018 hatte das Team sukzessive zwei, drei, vier und schliesslich fünf Medaillen gefeiert. Die Rücktritte von Jérémy Desplanches (zwei EM-Podestplätze, darunter Gold 2018 über 200 Meter Lagen) und Lisa Mamié (vier Medaillen, davon ein Titel) hinterlassen zwangsläufig eine grosse Lücke.

An den beiden Leistungsträgern Noè Ponti und Roman Mityukov lag es nicht. Der 25-jährige Tessiner Ponti bewies enorme mentale Stärke, als er sich über 100 Meter Delfin Bronze sicherte – in einem Rennen, in dem Sieger Kristof Milak den Weltrekord nur um drei Hundertstel verfehlte. Zuvor hatte Ponti im 50-Meter-Final all seine Chancen verspielt, weil ihm gleich beim Start die Schwimmbrille verrutschte.

Der 26-jährige Genfer Mityukov wiederum verbesserte im Final über 200 Meter Rücken seinen eigenen Schweizer Rekord um 76 Hundertstel und belegte Platz 4. Seine Zeit von 1:54,07 Minuten hätte ihm zwei Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen in Paris noch die Goldmedaille eingebracht, wie er nach dem Rennen selbst anmerkte. Damals hatte ihm eine Zeit von 1:54,95 Minuten zu Bronze gereicht. Die internationale Konkurrenz hat stark zugelegt.

Flavio Bucca als Lichtblick

Abgesehen von diesen beiden Ausnahmeschwimmern blieben die Erfolgsmomente jedoch rar. Markus Buck, Chef Leistungssport bei Swiss Aquatics, hatte vor den Wettkämpfen jedem der 19 Schweizer Athletinnen und Athleten das Potenzial für einen Halbfinaleinzug bescheinigt. Er wurde eines Besseren belehrt – was nicht zuletzt an der enorm gewachsenen Leistungsdichte lag.

In den Einzelwettbewerben schafften es neben Ponti und Mityukov (der am Samstag auch den Halbfinal über 100 Meter Rücken erreichte) nur Flavio Bucca (8. über 200 Meter Rücken), Antonio Djakovic (14. über 200 Meter Crawl) und Hoffnungsträgerin Kay-Lyn Löhr (13. über 200 Meter Brust), sich für die Abendsessions im Aquatics Centre von Saint-Denis zu qualifizieren. Die erst 18-jährige Zürcherin Löhr schaffte dies zudem in einer Disziplin, in der lediglich 23 Schwimmerinnen am Start waren.

Flavio Bucca war damit das einzige Mitglied der Delegation, das über sich hinauswuchs. Der 21-jährige Thurgauer steigerte sich enorm und unterbot seine persönliche Bestzeit innerhalb eines Tages um 1,6 Sekunden. Neben Ponti und Mityukov ist er der Einzige, der eine Qualifikationsnorm für die nächsten Olympischen Spiele erreichte. Diese muss er allerdings noch bestätigen, da die offizielle Qualifikationsphase für Los Angeles 2028 noch nicht begonnen hat.

Eine ehrenvolle Erwähnung verdient auch Antonio Djakovic, vierfacher EM-Medaillengewinner über 200 und 400 Meter Crawl. Der 23-jährige Thurgauer, der zwei schwierige Jahre hinter sich hat, blieb über 200 Meter erstmals seit der EM 2024, als er Bronze holte, wieder unter der Marke von 1:47 Minuten. Diesen Aufwärtstrend gilt es nun zu bestätigen.

Zufrieden sein dürfen auch die beiden Tessiner Mattia Mauri (20) und Enrico Sottile (18). Mauri pulverisierte seine persönliche Bestleistung über 200 Meter Crawl im Vorlauf um mehr als eine Sekunde und verpasste als 22. den Halbfinal nur um 20 Hundertstel. Sottile verbesserte seine Bestzeiten sowohl über 100 als auch über 200 Meter Delfin.

Der Weg aus dem Schatten

Für den Rest des Schweizer Teams heisst es nun: Zurück an die Arbeit. Wie Clément Bailly, Trainer bei Genève Natation, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA betonte, müssen die Athleten lernen, sich aus dem Schatten der Arrivierten zu befreien. Es gelte, den Druck eines Grossanlasses auszublenden und sich voll und ganz auf die eigene Leistung zu konzentrieren, ohne sich von der Kulisse überwältigen zu lassen.

Der französische Trainer, der unter anderem Roman Mityukov betreut, stellte klar: «Alle haben sich ihren Startplatz durch Leistung verdient.» Allerdings wurden diese Zeiten oft unter geringerem Druck und auf nationaler Ebene geschwommen. Flavio Bucca hat gezeigt, wie es geht: Mit der nötigen Lockerheit lieferte er auf höchstem Niveau ab – völlig unbeeindruckt von erfahreneren oder vermeintlich stärkeren Konkurrenten.