Die Krim steht unter Belagerung

Die Mittelstrecken-Luftoffensive der Ukraine trägt früher Früchte, als man hätte erwarten können. Nun werden nicht nur die Versorgungswege der Russen im Rücken der Front angegriffen, sondern auch die seit 2014 von ihnen besetzte ukrainische Halbinsel Krim.
2024 haben die Ukrainer begonnen, russische Luftabwehrsysteme systematisch zu bekämpfen. Dabei setzten sie britische, amerikanische und ukrainische Raketen in Kombination mit Drohnen ein. Seit März 2026 ist diese ukrainische Offensive besonders intensiv. Das ukrainische Militär zerstörte 24 russische Luftabwehranlagen. Dabei handelt es sich um Radaranlagen und Luftabwehr-Artillerie-Raketensysteme im Wert von jeweils 5 bis 100 Millionen Dollar. In dieser Phase setzen die Ukrainer für ihre Angriffe hauptsächlich Drohnen ein.
Die Isolierung eines Kriegsschauplatzes ist eine klassische Taktik. Die Krim ist im Norden durch eine schmale Landenge, die von Gewässern und Sümpfen durchzogen ist, mit von Russland besetztem ukrainischem Festland verbunden.
Die Brücken im Norden sind beschädigt, die im Osten ist gefährdet
Um auf die Krim-Halbinsel zu gelangen, muss man die Brücken bei Henitschesk, Tschonhar oder Armiansk überqueren. Letztere überquert den Nordkrimkanal, der vom Fluss Dnipro durch die gesamte Krim verläuft. Im Osten verbindet die Kertsch-Brücke die Krim mit Russland.
Infolge vieler Drohnenangriffe sind alle Brücken im Norden der Krim beschädigt. Auch Brücken über den Nordkrimkanal im Norden der Krim und innerhalb der Krim sind getroffen worden.
Um eine Brücke zu zerstören, muss mindestens einer ihrer Pfeiler zerstört werden. Dafür sind die Sprengköpfe der ukrainischen Drohnen zu klein.
Die Russen errichten Dämme und Pontonbrücken, um die Verbindung zu den Gebieten im Norden zu sichern. Doch improvisierte Dämme und Pontons lassen sich leichter zerstören. Sie verlangsamen zudem den Verkehr und machen Fahrzeuge zu leichten Zielen.
Die Kertsch-Brücke wird nur eingeschränkt genutzt. Nach erfolgreichen Sabotageaktionen der Ukraine und Angriffen durch Seedrohnen dürfen über diese Brücke keine grossen Lastwagen mehr fahren.
Vor dem Bau der Kertsch-Brücke war die Fähre das Verbindungsmittel zwischen der Krim und Russland. Doch kürzlich haben ukrainische Drohnen drei Fähren getroffen.