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Schweiz und Welt

Die Klimakrise wird einheimisch

Davoser Zeitung
09.02.2022, 12:00 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Über die Klimakrise wird meist im globalen Zusammenhang gesprochen. Die Polkappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt, die Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Und auch wenn Bezug auf die Aktualität der Krise genommen wird, hören wir meist nur von geografisch weit entfernten Beispielen, wie von der Hungersnot in Madagaskar oder den Waldbränden in Australien. Die Verwendung solcher Bilder trägt zu der Vorstellung bei, die globale Klimaerwärmung sei ein Problem, welches uns hier in Davos nicht wirklich betrifft. Doch dem ist – leider – nicht so. Im ersten Teil der Serie «Die Sache mit dem Klima» widmen wir uns deshalb der Frage: «Wie betrifft uns der Klimawandel hier in Davos?»

Die Zahlen

Im Jahr 2018 betrug die durchschnittliche Erwärmung hier in Davos im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten ca. 1.8 Grad Celsius. Das sind 0.9 Grad mehr als im weltweiten Durchschnitt. Solche Zahlen bestätigen die Vermutungen des Bundesamts für Umwelt, dass die Alpenregion global gesehen nahezu doppelt so starke Temperaturanstiege verzeichnen muss. Das bedeutet natürlich auch, dass die Auswirkungen hier sehr viel stärker als andernorts sind. Und das nicht erst bei drei, vier oder fünf Grad Erwärmung. Nein – sie machen sich schon heute bei den für uns vergleichsweise läppischen 2 Grad mehr ­bemerkbar. Und das in einem besorgniserregenden Ausmass.

Durch die Klimaerwärmung verlieren ­lokale und regionale Ökosysteme immer schneller an Stabilität. Das Volumen der Bündner Gletscher hat sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts halbiert. Und auch der Schnee bleibt immer häufiger weg. So verkürzt sich einerseits die Dauer, in der der Schnee liegen bleibt, andererseits verkleinert sich auch die Schneemenge – wir verlieren alle 10 Jahre circa 8 Schneetage. Das beeinflusst unseren Tourismus stark, was sich wiederum schlecht auf die Wirtschaft und unsere Gesellschaft auswirkt. Wir sehen deutlich, dass die Klimakrise weit mehr als «nur» eine Umweltkrise ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch der Permafrost. Das ist das Eis im Untergrund, welches während des ganzen Jahres nicht schmilzt und somit unsere ­Böden zusammenhält. Wird der Permafrost der Erwärmung ausgesetzt, verliert das Eis seine bindende Eigenschaft, und es wird immer häufiger zu Steinschlägen und Felsstürzen kommen. Das zulasten unserer Infrastruktur und uns Menschen.

Und auch unsere Baum- und Vegetationsgrenze wandert immer weiter nach oben. In den letzten 40 Jahren hat sie sich um 150 Meter verschoben. Dies bewirkt, dass sich in unserer Region neue Arten ansiedeln, welche aber leider auch alte, weniger konkurrenzfähige Pflanzen vertreiben. Das beeinflusst unsere Biodiversität und das ganze Ökosystem.

All das sind Folgen, die wir hier in Davos mit nur circa 1.7 Grad Erwärmung schon spüren. Mit einem vorsichtigen Blick in die Zukunft merken wir jedoch, dass sie erst den Anfang markieren. Die langfristigen Konsequenzen sind kaum auszumalen, und doch müssen wir darüber sprechen, gegen sie kämpfen und gleichzeitig lernen, mit ihnen umzugehen. Wie wir all das schaffen, was das konkret für uns bedeutet und was hier in Davos schon unternommen wird, werden wir in den kommenden Artikeln genauer beleuchten.

Was tun?

Wir alle besitzen eine kollektive Verantwortung für uns, unsere Nachfahren und die Natur. Auf diesem Gefühl der Verantwortung und des Respekts basiert unser gesamtes gesellschaftliches Zusammenleben. Umso wichtiger ist es, zu wissen, was momentan mit dem Klima passiert, und zu lernen, dagegen etwas unternehmen zu können. Denn – schlussendlich – haben wir nur eine Erde, eine Heimat, ein Zuhause.

Klimastreik Davos

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