Die Gemeinde Glarus gibt grünes Licht für Gras aus der Apotheke
Im nächsten Frühling soll in der Region berauschendes Cannabis im grossen Stil angebaut werden, um es dann im Herbst im Glarnerland in einer Apotheke und in einem Shop legal zu verkaufen. So zumindest die Hoffnung von Lars Willi. Der Projektleiter bei der Bergblüten AG ist zuständig für die Teilnahme des Unternehmens an der nationalen Cannabisstudie des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Die Cannabisproduzentin mit Sitz in Ziegelbrücke und in Susten VS will ab kommendem Jahr bis zu 3000 kiffende Probandinnen und Probanden in den Bergkantonen Wallis und Glarus legal mit «Gras» versorgen. Das über drei Jahre kontrolliert abgegebene Cannabis darf einen Gehalt von bis zu 20 Prozent Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten. Zum Vergleich: Cannabis mit einem THC-Gehalt von mehr als einem Prozent gilt in der Schweiz als verbotenes Betäubungsmittel.
Das Ziel der Cannabisstudie des BAG ist, Erkenntnisse über die Auswirkungen eines kontrollierten Zugangs zu der für nicht medizinische Zwecke noch illegalen Substanz auf die physische und psychische Gesundheit der Konsumierenden zu gewinnen. Und sie soll auch Aufschluss über das Konsumverhalten der Teilnehmenden geben. Die Resultate der verschiedenen Pilotprojekte sollen schliesslich auch die wissenschaftliche Grundlage für die künftige gesetzliche Regelung liefern (siehe Box).
Vorbehaltlose Verantwortung gefordert
Das BAG setzt für die Teilnahme am Pilotprojekt voraus, dass die Gemeinden, in denen Verkaufsstellen eingerichtet werden, mit dem Versuch einverstanden sind. In Glarus und Glarus Nord hat die Bergblüten AG mehrere Abgabestellen vorgeschlagen. Beinahe alle stiessen bei den Behörden auf Skepsis und Ablehnung. «Es ist ein sensibles Thema, bei dem es einige Überzeugungsarbeit braucht. Etwa, dass das Risiko nicht bei den Gemeinden, sondern beim Bund liegt», sagt Willi.
Ein positives Signal kommt nun aus der Gemeinde Glarus. Sie hat Ende September einer Verkaufsstelle in der Apotheke am Zaunplatz zugestimmt. «In einer ersten Stellungnahme der Gemeinde vom Mai wurde festgehalten, dass das Einverständnis zu einer Abgabestelle in der Apotheke Glarus einzig dann erteilt wird, wenn der Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident Oliver Kuonen in einer schriftlichen Erklärung festhält, vollumfänglich und vorbehaltlos die Verantwortung und Überwachung der dortigen Cannabisabgabe zu übernehmen», sagt Andrea Trummer. Dieses Schreiben von Kuonen sei am 16. September eingegangen, so die Gemeindevizepräsidentin und Departementsvorsteherin Gesellschaft und Gesundheit weiter. Fünf Tage später wurde das Gesuch bewilligt. Trummer sagt: «Wir gehen davon aus, dass die Apotheke Glarus für ein solches Pilotprojekt über fachkundiges und entsprechend ausgebildetes Personal verfügt oder entsprechend ausbildet und die Auswahl der Teilnehmenden mit grosser Sorgfalt vorgenommen wird.»