Die Frauen-Nati lässt ihren Trainer schwärmen und verzweifeln
Die Schweizerinnen haben in der WM-Qualifikation den Gruppensieg vor Augen. Zufrieden ist man im Lager des SFV deswegen aber noch lange nicht. Insbesondere der Trainer legt den Finger in die Wunden.
Einfache Abspielfehler, falsche Entscheide im letzten Drittel, schwache Restverteidigung: Die erste Halbzeit der Partie gegen die Türkei verlief nicht nach dem Gusto von Rafel Navarro. «Nein, mit der ersten Halbzeit war ich nicht zufrieden», sagte der Trainer nach der Partie. Nicht nur die Defensive habe Fehler begangen, auch die Offensivspielerinnen hätten zu viele Bälle verloren.
Während Doppeltorschützin Aurélie Csillag sagte, der Trainer habe in der Pause auf den Tisch gehauen und sei lauter geworden, betonte dieser, er habe versucht, positiv zu bleiben. Schliesslich hätten alle gewusst, dass es schlechte 45 Minuten gewesen seien.
Schertenleibs Leaderqualitäten
So oder so: Navarro hat augenscheinlich den richtigen Ton getroffen. Im zweiten Durchgang ging ein Ruck durch das Team. Sinnbildlich dafür waren die Auftritte von Iman Beney, Aurélie Csillag und Sydney Schertenleib. Beney legte den Führungstreffer mustergültig vor, Csillag traf erstmals im Nati-Dress doppelt, Schertenleib glänzte als Spielmacherin und Antreiberin im Mittelfeld. Letztere wurde vom Trainer kurzerhand zur «Spielerin des Spiels» gewählt. «Sie will dem Team helfen, eine Leaderin sein. Heute war sie eine Leaderin.»
Schertenleib ist eine Spielerin, die wie gemacht ist für den Fussball, den Navarro spielen lassen will. Sie ist technisch versiert und hat eine hohe Spielintelligenz. Attribute, die sie in Barcelona, beim derzeit wohl besten Team Europas, viele Spielminuten sammeln lässt. «Im Verein habe ich eine andere Rolle als in der Nati, wo ich führen kann», sagt Schertenleib, die trotz ihrer erst 19 Jahre vorangeht.
Unter Navarro, mit dem sie schon in Barcelona zusammengearbeitet hat, blüht sie auf. Der 40-Jährige soll den Rohdiamanten schleifen, auch wenn er betont, dass Schertenleib «nicht die einzige talentierte Spielerin» in seinem Team sei, er nicht um sie herum eine Mannschaft aufbaue. «Sie muss nicht das Land oder das Team retten, sie ist noch jung und hat noch viel Zeit», betont er.